Heute endet - parallel zur Dokumenta 14 - das Projekt "jetzt, 2017".
Danke für alle Kommentare und Antworten in Bild & Text. A bientot.

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Ute Thiel
Foto, 17.9.17
á bientot.

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Ute Thiel
Foto, 16.9.17
Vorm Regen.

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Ute Thiel
Foto, 15.9.17
enso mit kartoffelblatt.



"To be a teacher is my greatest work of art" soll Beuys gesagt haben, schreibt ein Kollege (frisch im Ruhestand), den meine Müdigkeit von letzter Woche an seinen alten Arbeitsplatz "zurückbeamte". Mag sein, dass die Kunst des Lehrens die grösste ist. Sie ergibt leider nicht so sicht-, fühl- und schmeckbare Ergebnisse wie Bildhauern, Zeichnen, Fotografieren oder Gärtnern. Die Ergebnisse dabei kann ich immer wieder geniessen (falls ich sie nicht aufgegessen habe). Die Ergebnisse meiner Arbeit als Lehrerin? Schwer zu fassen, unsichtbar.

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Ute Thiel
Foto, 14.9.17
Aster, mittig.



Auch heute habe ich mich sehr gefreut über Zuwendungen in Bildern und Worten. Die Kollegin übernimmt den Abbau der Schülerausstellung. Ich schaffe es, meinem Leistungskurs einen Arbeitsauftrag zu schicken. Tagsüber hatte ich keinen Appetit, aber jetzt gibt es ein leckres und gesundes Abendessen und zum Nachtisch Trauben aus dem Garten. Dazu ein Foto aus dem Archiv.

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Ute Thiel
Foto, 13.9.17
gegessen.



Danke! für die täglichen Antworten in Bildern, die mir viel bedeuten. Wie auch die Fragen zu meinen Bildern: Das gestern gezeigte "Hörrohr im Holunder" diente meines Wissens ursprünglich dazu, die Jauchegrube auszuschöpfen. Dank auch für die Genesungswünsche. Bin noch nicht fit, deshalb noch einmal ein Bild aus dem Archiv.

Diese Blume - in Kohlbeete gepflanzt - soll den Kohl vor Nematoden schützen. Hat leider nicht geklappt, weil ich den Kohl nicht angehäufelt hatte. Da ist die beste Schutzblume überfordert. Aber sie tut was sie kann.

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Ute Thiel
Foto, 12.9.17
Schützt den Kohl.



Krank. Viel Geschlafen. Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Bild heute aus dem Archiv.

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Ute Thiel
Foto, 11.9.17
Installation.



Heute in einer Woche endet diese Arbeit. Es ist merkwürdig, das sich die letzten Bilder alle um den Garten drehen, obwohl ich im Moment kaum dazu komme, darin zu arbeiten, obwohl jetzt die Herbstbestellung anstünde. Das war aber im letzten Jahr auch schon so. Ich komme und kam weder dazu, trockene Blüten abzuschneiden noch neue Erdbeeren zu pflanzen.

Dennoch sind die zu kurzen Momente im Garten grosses Glück. Die jetzt reifen Trauben vom Ast zu essen, das Kartoffelbeet umzugraben, die neuen Kartoffeln zu finden und die Tomaten auch nur anzusehen macht mich froh.

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Ute Thiel
Foto, 10.9.17
Tomate, mittig.

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Ute Thiel
Foto, 9.9.17
Schneckenhaus.



Ich bin so müde, weil ich einfach nicht nachkomme mit meiner Arbeit und mehr Ruhepausen bräuchte. Es fällt mir schwer mich dem Rhytmus anzupassen, den der neue Stundenplan mir vorgibt: Jeden Tag endet der Unterricht zu einer anderen Zeit. Regelmässige Mahlzeiten sind nicht möglich. Die belegten Brötchen bin ich leid.

Ja, natürlich könnte man sich eine schöne Dose mit Obst und geschnitzen Möhren machen und sie in Ruhe in einem Park verzehren. Nur, wann? Und wo? Glücklicherweise war noch ein Rest vom Abendessen im Kühlschrank: in der Mikrowelle aufgewärmte Nudeln, nachmittags um drei. Ich bin müde.

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Ute Thiel
Foto, 8.9.17
Spinne, scharf.



Späte Aubergine vom frühen Vogel. Ob ich heute Würmer fange, wird sich zeigen. Bin nach 12 Stunden Schlaf immer noch nicht erholt. Habe aber gerade schon die gestern monierten Bestellungen delegiert und hoffe, dass es funktioniert. Wäre schade um all die Arbeit, die wir bislang schon damit hatten.

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Ute Thiel
Foto, 7.9.17
Späte Aubergine.



Das ist so einer von den Tagen, wo manches geht und manches schief. Die Rückfrage bei der Schulsekretärin, die fehlende Abrechnungen anmahnte, ergab, dass wir einen Etat zwar beantragt, aber (wohl auf die Freigabe wartend) noch nicht ausgegeben haben. Jetzt muss es schnell gehn.

Ich bin übermüdet, schlafe beim zweiten Vorstellen des Autos beim TÜV fast ein. Der Mann hat allerlei geschraubt an den letzten Wochenenden, TÜV geht klar. Will danach noch schnell (obwohl ich langsam bin) Yoghurts kaufen. Packe sie in einen Karton, den ich hinschmeisse, als ich mich nach der Zeitung im Regal bücke. Der Ayran ergiesst sich auf alle Einkäufe. Ich bin müde.

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Ute Thiel
Foto, 6.9.17
alte Zwiebel.



Als ich vor 10 Jahren den Garten übernahm, war es nicht nur ein alter Bauerngarten, der in den Jahren davor brach gefallen war. Es war auch ein Platz, an dem alle möglichen Dinge deponiert wurden. Von vergrabenen gelben Müllsäcken bis zu Ecken mit Bauschutt und zerbrochenen Scheiben war alles zu finden. Rostige Kleinteile oder Scherben aller Art finden sich immer noch.

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Ute Thiel
Foto, 5.9.17
Funde, rostig.

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Ute Thiel
Foto, 4.9.17
Schön gezackter Löwenzahn.



Eines der Fotos von dem es einige Varianten gibt, "unwesentliche" Verschiebungen. Der Fokus wandert. Der Fuss ist schön angeschnitten (oder weniger, wie hier). Tiefenschärfe ist kaum zu erzeugen bei den Lichtverhältnissen. Ich akzeptiere, was ist.

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Ute Thiel
Foto, 3.9.17
gärtnerin und garten.



Selbst wenn ich Kürbis - wie immer - "zu spät" säe, schafft er es in kürzester Zeit grosse Flächen an Blättern zu erzeugen. Ausgehend vom Kompost überwuchern sie raumgreifend weite Strecken. Jeden Tag ergibt es ein neues Bild des Gartens und wenn man mehrere Tage nicht hinguckt, sind die Blüten Früchte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie diese enorme Vitalität spätestens beim ersten Frost in sich zusammensinkt und wie wenig von diesen grossen Blättern bleibt. Tant pis, vorher war: Leben.

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Ute Thiel
Foto, 2.9.17
Vitalität.



"Loslassen - was für ein herrliches Ziel. Nicht an Bequemlichkeit und Ego-getriebenen Ideen hängen, vor allem nicht an dieser absurden, dass das eigene Leben ein einziger Glücksfall sein könnte, nicht hassen, nicht gieren, den Nächsten lieben und mit Gleichmut hinnehmen, was ist: diese Empfehlungen lassen sich in den meisten religiösen oder philosophischen Werken zum menschlichen Leben finden - bei Marc Aurel genauso wie in der Bibel, doch das Werkzeug, das dahin führen soll, wird im Buddhismus besonders klar beschrieben: Meditation. Also die Erforschung des eigenen Geistes in allen möglichen Umständen, um zur Selbst- und damit zur Erkenntnis der Welt zu kommen." Quelle: Nina Poelchau, stern, Nr. 36, 31.8.2017, S. 42.

Ich stelle fest, dass ich schon sehr lange nicht mehr wissenschaftlich korrekt zitieren musste. Tant pis. Dem Zitat ist nichts hinzuzufügen. Ausser: praktizieren.

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Ute Thiel
Foto, 1.9.17
Spargelbeeren.



Das ist eines der Fotos, an denen ich gestern mäkelte. Die von oben herab hängende Ranke wird nicht so sichtbar, wie ich wollte. Heute mit Abstand betrachtet ist die Stelle - der Trittstein zwischen Pfad und Pavillon, zwischen Veilchen und Giersch, bewachsen mit Moos und Efeu - trotzdem schön.

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Ute Thiel
Foto, 31.8.17
Dennoch schöne Stelle.



Gehe in den Garten, um ein Foto zu machen von einer Stelle, die ich besonders schön finde und öfter fotografiere. Vor mehreren Tagen fiel sie mir wieder auf, eine von oben herab wachsende Weinranke war neu. Ich sah ein "gutes Foto", hatte aber keine Kamera zur Hand und habe es dann zwei Tage vor mir hergeschoben. Heute endlich mache ich mehrere Bilder, die alle misslingen. Misslingen in dem Sinne, dass sie die Schönheit des Ortes - wie ich sie neulich wahrgenommen und dann erinnert habe - nicht wiedergeben (können).

Auf dem Weg zur besagten Stelle kam ich an der Bütte vorbei, auf deren Wasserspiegel die Hopfenblüten an Sterne erinnern.

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Ute Thiel
Foto, 30.8.17
Hopfenhimmel.



"Dieses Hotel wurde in der letzten Stunde 5 mal gebucht." Ja, und? Ich möchte erstmal ganz andere Informationen, um herauszufinden, ob es mir überhaupt gefällt. 25 Menschen haben es gebucht in den letzten 24 Stunden? Schön für sie, aber was soll mir diese Information? Wenn "weniger ist mehr" doch endlich wieder wirken würde.

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Ute Thiel
Foto, 29.8.17
Hosta im Zünslerbusch.



Weisheit und Mitgefühl. Im Alltag mit all den Widrigkeiten, Zumutungen und Übergriffigkeiten dabei zu bleiben ist nicht einfach. Trotzdem. Weisheit und Mitgefühl.

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Ute Thiel
Foto, 28.8.17
Weisheit und Mitgefühl.



Schäbig oder noch gut? Die Liege an sich ist noch gut. Sie funktioniert prima. Die Gummibändel, die die Liegefläche halten, haben wir unlängst erneuert. Es gab jedoch vorher eine Diskussion, ob wir eine neue Liege kaufen oder nur die Bändel erneuern.

Wenn es ginge, würde ich auch die Armstütze erneuern, aber die gibt es - soweit ich weiss - nicht als Ersatzteil. Dafür gibt es die Liege selbst nun deutlich preiswerter als früher im Internet zu bestellen. Bei vielen Gebrauchsgegenständen, die ich schätze, würde ich bevorzugen, Teile ersetzen oder reparieren lassen zu können, gerne im lokalen Fachhandel.

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Ute Thiel
Foto, 27.8.17
Zerschlissen.

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Ute Thiel
Foto, 26.8.17
Kürbisblüten.



Diese (XXL-)schnecke aus Glas ist ein Geschenk von Freunden, die im Bayerischen Wald Glas giessen lernten. Danke!

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Ute Thiel
Foto, 25.8.17
Schnecke, Glas.



Die mir unbekannte Pflanze ist fast so hoch wie ich. Eine jährlich wiederkehrende Staude am "Eingang" zum Halbrund des Buchs, in dem jetzt eine kleine Bank aus einem Brett auf Backsteinen steht. Rechts - auf halber Höhe zwischen der Unbekannten und dem bodennahen Brett - kann man die blühende Hosta ahnen.

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Ute Thiel
Foto, 24.8.17
Unbekannte.



Nein, Paris ist nicht "Käse". Aber auf einer unglaublichen Menge an Produkten jedweder Art steht klein, fein und wirkungsvoll "Paris". Wenn in Frankreich etwas prämiert wird - inclusive gutem Münster - passiert das natürlich auch - in Paris. Paris. Paris.

Ich mag es immer noch, habe aber so viele Bilder in meinem (Erinnerungs)archiv, dass ich erstmal die hervorkrame, wenn ich Heimweh habe. In 40 Jahren immer wieder neue Ecken entdeckt, Freunde besucht, durchgereist. Mit 16 auf der Rückreise von der Loire die ersten Schnecken probiert, 30 Jahre später auf dem Markt in Gentilly (m)eine einzige Auster gekauft und gegessen. Dazwischen meiner Mutter eine Reise geschenkt und ihr die Ste Chapelle gezeigt. Davor mit der Filmklasse eine frühere Studentin unseres Professors bei der Arbeit an ihrem Film besucht und dabei mit meiner (viel) späteren Trauzeugin das Zimmer geteilt. Vieles in meinem Leben ist mit Paris verknüpft.

Es ist die Stadt, die ich am besten kenne. Besser als die Städte, in denen ich länger gelebt habe. In Paris gab und gibt es immer Orte, die ich unbedingt sehen wollte, eine lange Liste. Manchmal habe ich mich lange auf einen Ort gefreut - und stand vor verschlossenen Türen. Umbau, Termin verschoben. Es nützte wenig vorher auf die Web-Seite zu gucken. In der Bouffes du Nord hing einfach ein handgeschriebener Zettel am Eingang. Statt die Dokumentation über Peter Brook zu sehen, wegen der ich eine Stunde per métro unterwegs war, habe ich das Viertel entdeckt: eine Chaussee voller indischer Brautmodeläden und den Tempel des Elefantengottes - in dem gerade eine puja stattfand. Ich war dann einen halben Tag mit einem weissen Punkt auf der Stirn unterwegs.

Aber das was wohl die meisten Menschen überall auf der Welt der Stadt zuordnen - die Liebe? Kann man ja überall üben, ist wohl doch keine Frage der Kulisse, wenn es um die Langstrecke geht. Nach Paris zum Frühstücken? Ist für Anfänger! Aber ein guter Anfang, bonne route!

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Ute Thiel
Foto, 23.8.17
paris.



Durch eine Reaktion auf meine Fotos wurde ich auf den aktuellen Stand des Projekts "Grand Paris" aufmerksam. Während der Zeit, in der ich nach Montreuil pendelte, änderten sich die Dinge, die mir ursprünglich dort gefielen. Der Charme des Viertels bestand aus der Mischung von Relikten: Häuser, hinter denen sich alte Bauerngärten mit Mauern mit Spalier versteckten. Bröckelige Mauern, die - vielleicht auch, weil sie noch älter waren und zum Bestand des mittelalterlichen Dorfes rund um die damalige Hofkirche gehörten - unter Denkmalschutz standen. Private Neubauten mit Panoramafenstern zum Garten, die dort klug - den geringen Raum nutzend - eingepasst wurden. Daneben Wohn-und Hotelblöcke aus den 70ern. Ganze Strassenzüge, die leer waren und der Sanierung harrten. Mehrmals besuchte ich eine riesige alte Schreinerei, die nun überquellendes Lager eines Brocante war. Der Besitzer sass - immer lesend - in einem Bus auf dem Hof. Bei meinem letzten Besuch kündigte er an, dass geräumt würde: Neubau von Appartmenthäusern. Die Grundstückspreise haben sich seitdem vervielfacht. Die Stadtplanung räumt Gewachsenes ab. Ich investiere lieber in den Erhalt von Dingen, die man noch benutzen kann.

Das Bild von heute zeigt eine in meinem Garten - wo die Weinbergsschnecken dominieren - seltene Spezies.

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Ute Thiel
Foto, 22.8.17
Schnecke.



Liebes Publikum, Mitte September geht die Documenta 14 zu Ende und damit endet auch dieses zeitlich parallel laufende Projekt. Ich danke für alles bisherige Feed-back in Form von Mail, Telefonaten, Briefen und Besuchen und freue mich auf letzte Kommentare, gerne auch nach dem 17. September. Besonders freue mich darauf, zusammen in der Sonne zu sitzen und - bei gutem Essen - angerissene Themen zu vertiefen und neue Kooperationen anzuzetteln.

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Ute Thiel
Foto, 21.8.17
schatten und licht.

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Ute Thiel
Foto, 20.8.17
kleiner kürbis.



Die Weinbergschnecken ziehen sie sich jetzt zurück. Nur bei Regen sind sie noch unterwegs. Ansonsten ruhen sie meist in den Nischen der Feldsteinmauer. Im Raum zwischen Mauer und Flechtzaun entwickelt sich aus den dort deponierten Pflanzenabschnitten allmählich Kompost für die rankenden Pflanzen, die ein grünes Dach über allem bilden sollen.

Dieses Jahr hat mein Experiment endlich funktioniert: Waldrebe, wilder und echter Wein und Hopfen beschirmen meinem Sitzplatz im Mauergeviert. Ich warte auf die Kiwi, die von den Nachbarn herüberwächst. Sie hat zwar noch nie getragen, ich hoffe dennoch auf Früchte, die von der Pergola herunterhängen und mir in den Mund wachsen wie die Trauben jetzt.

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Ute Thiel
Foto, 19.8.17
ruhemodus.



Die "Grundfarben" der Blüten von gestern - rot, gelb, blau - wiederhole ich gerade mit diversen Klassen im Kunst-Unterricht. Beim Betrachten des Fotos fällt mir auf, dass viel Grün dabei ist. Und dass Grün eigentlich die Grundfarbe ist. Natürlich nicht mischtechnisch (und leider auch nicht im Parteienspektrum) aber als Basis-Grundfarbe für alles Lebendige.

In diesem Jahr realisiere ich zum ersten Mal mit aller Klarheit, wie wichtig für mein Wohlbefinden die Grüntöne sind, die ab März mein Leben in unglaublicher Vielfalt bereichern.

Gerade kann ich mir gar nicht vorstellen, dass in zwei Monaten da, wo jetzt noch alles wuchert, der blanke Boden ohne Grün sein wird. Grüne Farbtupfer im Braun sind dann nur unermüdliche Pflanzen wie mein (unsterblicher?) Buchs und der Elfenspiegel, der an einer guten Stelle geschützt steht und den Winter über grün bleibt. All die andere unglaublich üppige Grünmasse, die jetzt dominiert - der grossblättrige Kürbis, der wuchernde Hopfen, der schnell wachsende wilde und "echte" Wein - werden blattlos (oder völlig hin) sein.

Ich sitze und gucke und kann (und will) es mir nicht vorstellen und beschliesse, jetzt (!) das Grün einfach zu geniessen. Wer weiss, ob ich im Winter noch da bin.

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Ute Thiel
Foto, 18.8.17
licht.



Zwei Berichte in der Süddeutschen und der ZEIT irritieren mich. Die aktuelle ZEIT thematisiert das Schwinden der Insekten. Die "Süddeutsche" berichtete Anfang der Woche über das stete Zunehmen der mit Zierkies statt mit Pflanzen gestalteten (Vor)gärten.

Ich gehe in meinen Garten und sehe, dass in diesem chaotischen Sammelsurium von Pflanzen alles in Ordnung ist: Gerade blühen Kürbisse, Hopfen, japanische Anemonen, Brennesseln und die auf dem Foto abgebildeten Pflanzen. Ich habe keine Zeit, es zu zählen, schätze aber, dass es mindestens zwanzig weitere derzeit blühende Arten gibt, unter anderem die ersten Astern.

Breites Angebot für die an einem warmen Tag wie heute noch ziemlich aktiven Flieger. Ich sitze ein bisschen in der Sonne und höre ihnen zu bevor ich wieder an den Schreibtisch gehe. Das Paradies ist arbeitsintensiv, trotzdem (leider?) nie ordentlich. Besucher monierten schon mal "mangelnde Struktur". Aber irgendwie funktioniert es.

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Ute Thiel
Foto, 17.8.17
grundfarben.

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Ute Thiel
Foto, 16.8.17
Kartoffelfeld.

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Ute Thiel
Foto, 15.8.17
Befall.



Das patagonische Eisenkraut ist eine meiner Lieblingsblumen. Das - weiss blühende - Eisenkraut , was im Hof gleich daneben steht, eine meiner liebsten "infusions". In Frankreich, wo ich es zuerst kennenlernte, ist das Eisenkraut ungefähr das, was bei uns Pfefferminze ist: Der am häufigsten getrunkene Kräuter"tee". Die Franzosen sind mit dem Begriff "infusion" für "Kräutertee" eigentlich präziser als wir: Kräuter"tee" ist ein Aufguss aus Kräutern, die meist nicht mit der Tee-Pflanze verwandt sind.

Ich hadere aber mehr mit den Begriffen "Mandelmilch" oder "Sojamilch". Der Begriff "Milch" sollte meines Erachtens nur das bezeichnen was es ursprünglich meint. Und besser bezahlt werden als die heute üblichen Cent-Beträge. Mein Lieblingsbauer nimmt 1 Euro für den Liter Frischmilch, die Flasche zum Abfüllen muss man mitbringen oder vor Ort kaufen.

Die Milch ist so gut wie die, die ich in meiner Kindheit bei den Nachbarn mit dem Blechkännchen holte, nachdem wir selbst keine Kühe mehr hatten. Meine Grossmutter hat den Rahm abgeschöpft. Auf einem Tellerchen auf der Kellertreppe wurde er über Nacht dicker und am Tag drauf konnte man "Rahmkuchen" backen, mit nichts als Rahm und Zucker als Belag. Der Bäcker bekommt ihn heute nicht ganz so gut hin wie meine Oma. Aber seine Rahm(en)bedingungen sind auch deutlich ungünstiger.

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Ute Thiel
Foto, 14.8.17
Patagonische Verbene.



In einer Vorbesprechung wurde mir im Laufe der letzten Woche klar, was mich aktuell am Design (speziell von Autos) und in der Architektur stört. Ich habe in dem Gespräch zunächst nach einem passenden Begriff gesucht und kam auf "pompös" - aber das ist es eigentlich nicht.

Mich stört, dass es bei Architektur (und vielem anderen) im Moment überwiegend darum geht, den Betrachter zu beeindrucken. Es geht weniger darum, eine kluge Raumnutzung, sparsame Bewirtschaftung und echte Innovationen hinsichtlich der uns allen bewussten Notwendigkeiten bezüglich der Ökologie zu erfinden. Dass die Benutzer sich darüber hinaus in den Gebäuden dauerhaft wohl fühlen (anstatt beeindruckt zu sein) sollte Grundlage des Bauens sein.

Wie viel Zeit wenden Entwerfer auf die Klärung der Bedürfnisse der Nutzer? Will der Nutzer, die Nutzerin wirklich nur beeindruckt werden? Wie kann man spätere Nutzer in die Planung so einbinden, dass es gelingt, ihren Bedürfnissen (die ja vielleicht von denen der Architekten abweichen) gerecht zu werden?

Mir kam der schöne Vergleich aus meinem Studium in Erinnerung, der die Erfindungen des modernen Wohnungsbaus in Frankfurt (z.B. Schütte-Lihotzkys Frankfurter Küche!) der 50er und die 30 Jahre jüngeren postmodernen - sehr beeindruckenden - Entwürfe Ricardo Boffils (z.B. Palais d`Abraxas bei Paris) gegenüberstellte.

Die Klientel war in beiden Fällen gleich: Es ging um sozialen Wohnungsbau. Als Studentin war auch ich vom Palais d´Abraxas (und Paris) beeindruckt. Die von meinem Professor aufgezeigten Nachteile konnte ich nicht so recht nachvollziehen und nun, 30 Jahre Wohnerfahrung später: doch. Die Häuser in Frankfurt sollen ja mittlerweile auch bei der jungen Generation sehr beliebt sein - einfach weil sie praktisch sind und an erster Stelle: dem (Alltags)Leben dienen.

Der oft zitierte Satz von Sullivan "form follows function" bezieht sich - soweit ich weiss - zunächst auf Formen der Natur. Und da kann man sich immer mal wieder: viel abgucken. Beeindrucken? Wer will wirklich nur ein Pfau sein? Prächtig, ja. Weiss irgend jemand wie die Frau vom Pfau aussieht? Allez!

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Ute Thiel
Foto, 13.8.17
frühstück.



Das Wetter wird merklich kühler. Noch erinnern Früchte aus dem Garten an den Sommer und es sind noch etliche Zucchini, Tomaten, Kürbisse, Trauben und Haselnüsse zu erwarten. Aber mit den letzteren kündigt sich der Herbst an - und der Winter. Es regnet immer noch, wir denken an Glühwein statt wie geplant zu grillen. Als Alterssitz käme vielleicht neben einem Thermalbadeort dann doch eine immer warme Insel in Frage? Madeira?

In meiner Kindheit auf dem Land gab es keine Reisebildbände. Bei einem Geografie-Wettbewerb ("Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn") gewann ich - mit Unterstützung durch einen länderkundigen Grossonkel - meinen ersten Bildband. Die Abbildungen waren überwiegend schwarz-weiss. Ungefähr zeitgleich sammelte ich Wertmarkenbildchen in ein Buch über Madeira. Das hatte teilweise ganzseitige Farbabbildungen.

Dass ich das mal in Natura sehen würde, war nicht wahrscheinlich. In den 40 Jahren seitdem haben etliche Bekannte und Freunde ihre Madeira-Reise realisiert, manche mehrfach. Viele sind viel weiter gereist. Ob ich Madeira sehen werde? In diesem Leben? Kommt gleich nach dem Wunsch, den Kailash zu umrunden. Ich werd wohl die Erste sein, die es mit dem Rollator angeht. 2030?

Wenn ich Wünsche frei hätte? Dass die circa 7,5 Milliarden anderen menschlichen Individuen auch je einen Wunsch frei haben. Ich möchte aber, bitte! nicht die Verwaltung dazu übernehmen müssen. Aber trotzdem: "Jedem seine Jadetasse"! Und das wir es hinkriegen, die 60 Millionen (stimmt diese ungeheure Zahl?), die flüchtend unterwegs sind, nicht nur mit den Grundlagen zu versorgen, sondern auch mit den guten Dingen des Lebens: zum Beispiel zum Vergnügen, zur Erholung und aus Wissbegierde reisen zu können.

Aber ich glaube, das war jetzt mehr als ein Wunsch. Ah! Ich habs! Mein Wunsch ist: dass Empathie und Altruismus auf Dauer schick werden. Das könnte möglicherweise vieles, was immer noch schief läuft wenden.

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Ute Thiel
Foto, 12.8.17
drei früchte.

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Ute Thiel
Foto, 11.8.17
kuak.

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Ute Thiel
Foto, 10.8.17
Bestand.

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Ute Thiel
Foto, 9.8.17
himmelblau.



"Für Ökonomen Rente erst mit 70" las ich heute morgen auf dem Titel der Mainzer Allgemeinen. Die Armen, warum ausgerechnet sie? Dass Dachdecker, Maurer, Polizisten, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen nicht bis 70 arbeiten können ist ja klar, aber ob man das ausgleichen kann, indem man die Ökonomen länger arbeiten lässt? Mhm. Beim zweiten Lesen merkte ich, dass die "Ökonomen für die Rente erst mit 70" sind. Aha.

Wie das die Dachdecker (Piloten, Bus-und Fernfahrer etcetera etcetera etcetera) stemmen sollen, bis 70? Da muss uns wohl noch was anderes einfallen. Am ehesten geht ein Herausschieben des Rentenalters ja wohl bei Menschen, die mit dem Kopf arbeiten (solange sie nicht Alzheimer und ähnliches bekommen) aber ganz sicher geht es nicht bei all denen, die hart körperlich arbeiten oder reaktionsschnell sein müssen oder gut sehen und hören müssen in Ausübung des Berufs.

Letzteres wird ja - trotz aller Hilfsmittel - einfach nicht besser, wenn man sich der "70" nähert. Diesen Menschen dann auch noch die Frühverrentung bei selbst zu tragenden finanziellen Einbussen anzutragen? Passt auf Dauer bei der immer grösser werdenden Menge an Menschen, die es betreffen wird, auch nicht. Vielleicht fällt den Ökonomen ja noch was ein, wenn sie ein bisschen länger drüber nachdenken, kurz vor ihrer Rente, mit 70.

Nein, ich mache mich nicht lustig über Ökonomen. Ich nehme durchaus ernst, dass sie hier darauf hinweisen, dass Politiker Wohltaten versprechen, die anscheinend nicht realisierbar sind. Ich habe auch Verständnis für die Politiker, die wieder gewählt werden wollen: Wer wählt schon jemanden, der unangenehme Wahrheiten ausspricht? Allerdings: Beschönigen hilft nicht weiter, Ältere weiter belasten aber auch nicht. Lösungen? Ob ein Perspektivwechsel und genaueres Hinsehen hilft? Mir hilft in "ausweglosen" Situationen manchmal Marcel Duchamps Satz "Es gibt keine Lösungen, weil es keine Probleme gibt."

Mein Foto unten hiess ursprünglich "Wilhelmshöhe Cascaden". Bei näherer Betrachtung war die gerahmte Postkarte der Urgrosseltern doch nicht so schwarz-weiss, wie ich die ganze Zeit über annahm. Das Horn, was von rechts ins Bild ragt, gehört zu einem Wasserspeier. Leider haben ihn die Giesser massiv gegossen, was ihn als Wasserspeier unbrauchbar macht. Jetzt dient er als Briefbeschwerer.

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Ute Thiel
Foto, 8.8.17
Perspektivwechsel.



Ich danke für "Mehr Meer", was vorgestern - identisch betitelt - gleich von zwei Seiten kam. Die Fotos zeigten (prächtig!) die Nordsee und (üppige Auswahl!) Zakynthos. Dann kam noch ein ungewöhnliches Foto mit viel Himmel von der "baltic sea". Und gleich danach kam der Mann zurück vom Welt-Enten-Treffen (=2CV-Treffen, falls es jemandem unklar sein sollte) in Portugal und brachte jede Menge Meer-Flair in Dosen mit. Und Vinho Verde, Porto und Co.

Vielleicht hatte meine Sehnsucht nach Meer auch damit zu tun, dass unter den Antworten, die auf "jetzt, 2017" seit Beginn täglich eintreffen, schon seit einer ganzen Weile viele Meer-Bilder sind. Und viele Freunde, Familienmitglieder und Nachbarn sind oder waren unterwegs: in Mallorca, auf Zakynthos, in Boltenhagen, in Kapstadt. Überall ist Meer. Die Kollegen im Ruhestand fahren jetzt nach Sizilien, der Nachbar demnächst nach Gran Canaria.

Ich krame im Archiv nach einem Foto von meinem letzten Besuch beim Meer. Das ist zwei Jahre alt und zeigt, dass ich eigentlich doch vielleicht überwiegend eine Landratte bin. Mit Sehnsucht nach mehr.

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Ute Thiel
Foto, 7.8.17
Ostsee am 13.4.15.



Ende der Bequemlichkeit. Den Morgen im Bett verbracht und mit Vergnügen mehrere Artikel in der ZEIT gelesen. An dem über Wettervoraussagen hängengeblieben. Der Artikel erläutert warum es dem Riesencomputer in Offenbach schwer fällt, bei der Treffsicherheit in der Wetter-Voraussage menschliche "Wetterpropheten" zu übertreffen. Tja.

Zum einen erinnert es mich ein bisschen an das Kapitel in "Per Anhalter durch die Galaxis" wo man den ultimativen Computer nach dem Sinn von Allem fragt und er nach unendlich langem Rechnen "42" sagt. Als ich das vor vielen Jahren las, musste ich lachen. 42 ist meine Schuhgrösse und stellte bis dato immer ein Problem dar, weil Damenschuhe überwiegend bis Grösse 41 produziert werden. Seitdem habe ich das leichter genommen.

Ich nehme an, dass die "42" für etliche andere Leser des Buches genauso funktioniert wie für mich: Letztendlich sind wir so im Kampf mit dem Bewältigen völlig unnötiger (da menschengemachter) Probleme beschäftigt, dass wir die wirklich grossen Fragen vernachlässigen "müssen", weil wir keine Zeit dafür finden. Und die wichtigen Fragen den Fachleuten und / oder ihren Computern anvertrauen, anstatt selbst wahrzunehmen. Uns und das Wetter.

Den Alltag "erleichtern" per Wetter-App? Das, was Wetter"propheten" machen, steht jedem offen: den Himmel anschauen, die Wolkenformen kennen und mit der Natur "in Verbindung bleiben". Mein Grossvater nutzte zusätzlich ein Barometer, meine Mutter und ihre Nachbarn messen die Regenmenge und tauschen sich aus.

Und die berühmten "Bauernregeln"? Naja, die sollte der ZEIT-Autor vielleicht nicht so abfällig bewerten: Sie dürften das Ergebnis von sehr vielen Einzelbeobachtungen von Menschen sein, die über Jahrtausende in, mit und von der Natur (über)lebten. Die - wie der Münchner Wetterprophet - russische Kriegswinter und deutsche Überschwemmungen bewältigten.

Erfahrungswissen sollte man nicht unterschätzen und es in Computer einzufüttern dürfte der doch sehr verschiedenen Natur von Menschen und Computern zu wieder laufen und zudem länger dauern, als wir Zeit haben, den Erdüberlastungstag wieder in Richtung Weihnachten zu bewegen. Ich empfehle dazu den Artikel auf der Titelseite der aktuellen ZEIT.

Beeindruckt hat mich dennoch die Erklärung, wie der Wettercomputer aus weltweit erhobenen Daten die Wahrscheinlichkeit eines lokal begrenzten Phänomens errechnet: Chapeau!

Und vielleicht trotzdem der falsche Ansatz. Denn das Publikum scheint nur daran interessiert, wovon es selbst betroffen ist: ob man nass wird oder nach Feierabend in den Biergarten gehen kann. Und das kann man doch entscheiden, wenn man das Haus verlässt und den Blick zum Himmel hebt. Und Verabredungen kann man heute schnell ändern: Dafür gibt es ja mittlerweile jede Menge "Kommunikations"-Geräte. Zusammen sitzen bei Regen oder Sonnenschein, drin oder im Biergarten dürfte das Wesentliche bleiben. Laissez-nous le cultiver.

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Ute Thiel
Foto, 6.8.17
bodendecker.



Im Moment wo ich das schreibe, sitze ich an dem Platz, wo ich das Foto gemacht habe, vorgestern. Jetzt ist der Himmel hellblau, voller treibender weisser Wolkenballen. Es ist windig, Nachbars Linde wackelt im Wind. Der Hund würde gerne hier bleiben, die Spaziergänge sind spannender als in Elsheim. Ich bin müde und möchte lieber schlafen als jetzt meine 100 Kilometer Auto zu fahren.

Montag wird in Elsheim weiter verputzt und gestrichen (hoffe ich). Die Vorbereitung des neuen Schuljahres - die sich schon diese Woche in verstärktem Mailverkehr mit Kollegen, Sekretariat und Schulfahrtenveranstaltern ankündigte wird die kommende Woche bestimmen. Unterrichtsvorbereitungen, Mittwoch und Donnerstag Besprechungen für Kooperationen mit ausserschulischen Institutionen, Freitag Dienstbesprechung in der Schule.

Nächstes Jahr werde ich mir in den Sommerferien eine Woche Mallorca gönnen oder Zakynthos oder was auch immer. Endlich wieder mal das Meer sehn. Brauchen tät ich es jetzt.

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Ute Thiel
Foto, 5.8.17
no arrows meeting.



Ja, die Ähren von gestern lagen so "kalligrafisch", ich habe sie nicht arrangiert. Mir genügt es, die Augen aufzuhalten und Dinge wahrzunehmen. Oft reicht eine Aufnahme. Genauso oft gibt es zwei bis vier Versuche - und dann ist es doch meist so, dass das erste Bild aus der Serie stimmte.

Ein Feed-back über "die Dinge an den Rändern sehen" beziehungsweise "Bildern von den Rändern her gestalten" hat mir klar gemacht, dass meine dritten und vierten Varianten eines Motivs immer nur dahin gehen, dass das Bild perfektioniert wird. Und dass die "unperfekten" ersten Bilder (das, was die meisten Menschen wohl "Schnappschüsse" nennen würden) mit all dem "zufällig" angeschnittenen einfach mehr meiner Wahrnehmung entsprechen.

Gestern mit Mutter und Hund eine Runde ums Dorf gegangen und dabei wieder "Banales" wie Pflanzen und Steine gesehen. Die Schönheit ist nicht so glänzend und überwältigend wie bei der Pfingstrosenknospe, die vor einigen Monaten entstand. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass das Ende des Sommers absehbar ist oder daran, dass mehrere Menschen im Freundeskreis um Gesundheit und Leben ringen. Und das in meiner Wahrnehmung immer mitschwingt. Wie kreiert man Lebensfreude? Wie Trost? Wie Mut?

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Ute Thiel
Foto, 4.8.17
feder.

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Ute Thiel
Foto, 3.8.17
Ähren.

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Ute Thiel
Foto, 2.8.17
Bitschberg&Co.



Jeanne Moreau ist tot. Beim Lesen der Nachricht realisiere ich, dass sie genau so alt wurde wie meine jüngst verstorbene Nachbarin: 89. Und staune, dass die beiden gleich alt waren. "Jules et Jim" war einer der Filme, die mich als Studentin beeindruckten. Das Blumenbeet der Nachbarin, was die gärtnerischen Grundlagen bei mir legte, erwähnte ich hier schon. Bleibt Stoff zum Nachdenken, was Menschen mit der Zeit ihres Lebens tun (können). Und was bleibt.

Wenn ich jemandem (wie der Verkäuferin an der Kasse, wo ich die Zeitung bezahlte und die Nachricht erwähnte) erklären will, wer Jeanne Moreau war, nenne ich "Die zwei Marias" weil sie zusammen mit Brigitte Bardot spielte. Die kennen alle. Ich war trotzdem überrascht, dass eine Frau in meinem Alter Moreau nicht kennt. Bei jüngeren wär es mir klar: da gab es eine Vielzahl von (mir unbekannten) Schauspielerinnen, die in Filmen spielten, die ich nicht gesehen habe, weil ich ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr ins Kino kam. Auch wenn ich noch lange in einem Viertel wohnte, wo das Kino um die Ecke war. Da, wo ich jetzt wohne, war das Kino allerdings noch nie um die Ecke.

Wie oft waren die Filme mit Moreau im Fernsehen? So dass auch die kinolose Bevölkerung sie sehen konnte? Jetzt gibt es dort sicher aus gegebenem Anlass Themenabende. Allez!

Jeanne Moreau getroffen habe ich 2005 auf Long Island. Sie kam auf Einladung unseres gemeinsamen Gastgebers um "Maria Stuart" zu proben. Das habe ich der Frau an der Kasse nicht erzählt, dann hätte ich noch weiter ausholen müssen. Der Hinweis auf Brigitte Bardot genügte, ihr Interesse zu wecken. Ansonsten waren wir uns einig, dass das schwüle Wetter an unser beider Kopfweh und Migräne schuld sei. In dem Moment realisierte ich, dass sie wahrscheinlich trotz Kopfweh bis heute Abend an der Kasse sitzen wird und ich wieder heim gehen konnte, mein Kopfweh weg schlafen. Als ich "gute Besserung" wünschte, mussten wir beide lachen. Meine Arbeit heute widme ich allen hier genannten Frauen.

Sehen Sie das Schildchen? Da war der junge, später olle Kürbis, dann seine Kerne, dann die Pflänzchen und jetzt das. Bildbelege weiter vorne. Es geht weiter, auch ohne uns.

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Ute Thiel
Foto, 1.8.17
Kürbis.



Es ist Sommer. Trotzdem sind viele Menschen um mich herum erschöpft. Ich höre Ausschnitte aus Lebensgeschichten, von Umbrüchen, von Notlösungen. Gut geht es nur denen, die schon im Ruhestand sind oder im Vorruhestand. Sie berichten von Zumutungen, denen sie entkommen sind. Berufstätige Frauen - von denen ich weiss, wie sehr sie ihren Beruf lieben - freuen sich darauf, im Ruhestand "mal nur Hausfrau" sein zu dürfen. Ich höre zu und merke, wie müde ich selber gerade bin. Noch zwei Wochen Ferien, meine Arbeitsberge: himalös.

Gott sei dank haben wir einen Pfirsich übersehen, weil er klein war und später reif als die anderen. Er hing auch höher. Nun fiel er durch die Färbung doch ins Auge. Ich ess ihn jetzt.

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Ute Thiel
Foto, 31.7.17
pfirsich, spät.

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Ute Thiel
Foto, 30.7.17
kasseler cola.



"Once, an old woman from the village came to pay her respects to the master. Ruiyan said to her, "Quick, go back and save the lives of thousands of beings." The woman hurried back to her house. There she found her daughter-in-law had brought in snails from the fields. The old woman released them at the shore of a lake. "

Eigentlich reicht mir der Textausschnitt. Er genügt mir, um Position zu beziehen. Um mir klar zu werden, dass ich lieber die alte Frau wäre, die die Schnecken (wirklich) rettet als der Zenmeister. Der natürlich auch Schnecken "rettet", nur halt die die ("diesmal"?) menschliche Form haben. Aber die Mittel, die er anwendet, sind "didaktisch" und wie bei den Koans nicht direkt, nicht eindeutig sondern "paradox" formuliert.

Wie umständlich, wie mühsam, wie verstaubt. Es ist doch völlig klar, dass es ums Retten geht, ums Leben erhalten und schützen, ums Lieben. Darum, dass Leben gelebt wird. Nein, ich möchte nicht neben einem Fluss (mit sauberem Wasser) sitzen und Wasser verkaufen. Lieber zeige ich, wie man mit den Händen schöpfen und gratis trinken kann. Wieder kein Geschäft. Was solls: Dabei könnte ich meine eigene Existenzangst verlieren und lernen, dass das Wasser - auch für mich! - gratis ist.

Ach so, der Rest der Geschichte? Ich zitiere weiter aus Andy Fergusons Zen´s chinese heritage, The masters and their teachings, Seite 311: " ....released them to the shore of a lake. Strange ocurrences related to Master Ruiyan are too numerous to record here. Upon his death, Ruiyan´s stupa was built on the mountain where he taught. He received the posthumous title "Zen Master Empty Illumination." Naja. Der erste Teil war spannender.

Am sympathischsten von allen Zenmeistern ist mir eigentlich der, der sich - nach einem erfolgreichen Leben als Meister - mit 80 laut weinend eine Familie wünschte. Ich finde nicht, dass er gescheitert ist - er war nur etwas spät dran mit den basics. Nicht dass ich schneller wäre. Die Relikte auf dem Bild unten? Gehörten wohl den Vorvorbesitzern unsrer Scheune.

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Ute Thiel
Foto, 29.7.17
Relikte.



Wenn die Zeit nicht rennen würde, wäre alles gut. Nachts regnet es, so dass ich tags nicht gießen muss. Tags scheint die Sonne, so dass ich nicht im Regen den Hund ausführen muss. Der Verputzer macht heute die Wand im Atelier fertig. Ich habe ein Gerät gekauft mit dem ich Äste in 3,60 Meter Höhe abzwacken kann und räume weiter den Garten auf. Der Hund und ich haben uns aufeinander eingestellt und traben dreimal täglich um die Wingerte, was meiner Hüfte gut tut.

Leider sind nun Zweidrittel der Sommerferien rum und der Himalaya an zu erledigender Arbeit in Haus und Hof ist genauso hoch wie vorher. Da hilft nix außer sich in Ruhe hinsetzen und realisieren, was alles geschafft ist. Samstag und Sonntag Freunde treffen, für die man all zu lange keine Zeit fand. Und am Montag mit den Vorbereitungen für die Schule weiter machen.

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Ute Thiel
Foto, 28.7.17
La chienne et moi.

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Ute Thiel
Foto, 27.7.17
Kartoffelwiese.



Heute ist einer der Tage, wo das passiert, weswegen ich mich in diesem Sommer gegen die Urlaubsreise entschieden habe: die Handwerker sind da und schaffen - jeder auf seine Weise - lang anstehende Dinge weg.

Es ist gut, zu zweit das sperrige Drahtgitter endlich in den Garten zu schaffen (um dort den Kletterhortensien als Stütze zu dienen), dann endlich auf dem Speicher wieder an die Vitrinen dahinter zu kommen und die fehlenden Glasplatten einzulegen, die ewig eingepackt und verschnürt in der Werkbank Platz weg nahmen. Beim Auspacken der Glasplatten tauchen auch zwei beim Einpacken (vor 10 Jahren) funkelnagelneue Isomatten wieder auf. Und die gute alte Wolldecke meines Grossvaters.

An die solide Transportkiste der unten abgebildeten Plastik, die vor 20 Jahren bei "Kunst im Weinberg" in Wiesbaden entstand, kommen endlich Rollrädchen, so dass ich sie auch alleine bewegen kann. Die Transportkiste - entstaubt - zeigt durch die Beschriftung, wo sie schon überall war: Unter anderem in Lübeck, in Varberg / Schweden und in London.

Darin scheinbar unversehrt die Schaumstoffplastik, die - als sie neu war - gleich zwei innige Verehrer hatte, die sich aber - warum auch immer - damals nicht zum Kauf entschliessen konnten. Nun ruhte sie 10 Jahre unberührt in ihrer Transportkiste in meiner Scheune - und beim Auspacken wird klar, dass eventuelle späte Liebhaber besser daran tun, den 3D-Scan und einen Ausdruck (in welchem Material auch immer) beziehungsweise eine Fräserei zwecks Kopie baldmöglichst zu beauftragen.

Gerne auch, um mein damals von Hand gesägtes Unikat per Vervielfältigung zum Prototypen einer Auflage zu machen. Kann als überdimensionaler Badeschwamm oder Sessel oder Spielobjekt in Serie gehen. Meine Skulptur taugt jedenfalls gerade noch zum Scannen - und das sollte bald passieren, sonst ist sie einfach: weg.

Appell an alle Liebhaber von Menschen und Dingen: Liebt, bevor das Objekt der Begierde zu Staub zerfällt.

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Ute Thiel
Foto, 26.7.17
Weitgereiste Schaumstoffplastik.



Ich danke für das feed-back, was den Zusammenhang zwischen den Bildern vom 22. und 23.7.17 goutierte.

Der Treppenaufgang mit den Rosen verbindet die "Schöne Aussicht" mit der "Karlsaue" in Kassel. Beides sind Anlagen der Landgrafen von Hessen, die in Kassel residierten. Mit ihrem hohen Interesse an Landschaftsgestaltung schufen sie in und um Kassel Räume, die Weltgeltung haben. Durch die Erhebung des Bergparks in die Unesco-Welterbe-Liga wurde dies endlich weithin sichtbar und anerkannt.

Was hat das mit mir zu tun? Ich bin mit einem sehr alten schwarz-weiss-Foto des Herkules aufgewachsen. Das - silber gerahmte - Bild gehörte zu den wenigen Ausstattungsstücken meiner Urgrosseltern in Saarbrücken. Die Urgrosseltern - der Urgrossvater war Eisenbahner - reisten offenbar mehr als meine Eltern, die als Winzer immer gebunden waren.

Andererseits gibt es etliche Postkarten, die die Urgrosseltern von unterwegs an meine Grosseltern schickten, die zwar aufbewahrt, aber nicht so aufwendig präsentiert wurden. Offenbar hatte der Herkules für die Familie in der Generation meiner Urgrosseltern besondere Bedeutung, die allerdings nicht überliefert wurde.

Überliefert aber dann doch in dem Sinne, dass ich - durch das Bild geködert - den seit Kindheit gehegten Wunsch, diese Anlage in natura zu sehen, letztes Jahr endlich anging. Auf dem Weg nach Weimar machten wir Halt und sahen den Herkules immerhin von hinten, den Sockel eingerüstet. Es war März, im Park lag Schnee. Ich genoss den weiten Blick und das Informationszentrum und beschloss einen neuen Anlauf.

Heuer hatte ich Zeit, weil meine Documentabegleitung später in Kassel ankam als ich. Also versuchte ich, schnell vom Bahnhof Wilhelmshöhe per Tram zum Fuss des Bergparks zu kommen. Von der Endhaltestelle der Linie 1 wären es dann aber noch 10 Minuten zu Fuss (die ich leider nicht hatte) zum unteren Ende des Parks gewesen. Also nutzte ich die Zeit zum Plausch mit dem Mann an der Information und beschloss, nicht aufzugeben. Die Kiste mit den Heckenabschnitten vom Sonntagmorgen enstand an der Mosel, in meinem Garten dort. Der Unterschied zwischen meinen Gärten und den Parks in Kassel ist gross. Meine beiden Gärten sind alte Bauerngärten, immer bewirtschaftet von einzelnen Personen oder Familien, den jeweiligen Besitzern. in den 10 beziehungsweise 5 Jahren, in denen sie mir gehören, ist viel passiert, insofern, als sie eigentlich keine traditionellen Bauerngärten mehr sind. Man könnte mit dem Pflanzenbestand keine Familie ernähren: es gibt zu viele Blumen. Es gibt zu viele Bäume, die Bauern nicht in Gärten pflanzen würden.

Offenbar überlagert der Einfluss meiner Zeit "in der Welt" meine bäuerliche Herkunft. Wenn ich mich an Gärten erinnere, die mich beherbergten, denke ich an den Schlosspark in Biebrich und den Kurpark in Badenweiler. Zu verschiedenen Zeiten meines Lebens waren sie Lebenselixier, Verzehrplatz für die tägliche Pizza und der Ort, an dem ich wieder laufen lernte, von Bank zu Bank.
Die Gärten von Villandry und andere Anlagen an der Loire beeindruckten mich vor 40 Jahren, die Boboli-Gärten vor 30. Vor 20 Jahren schleppte ich den Mann auf dem Weg nach Wales durch Derek Jarmans Garten, durch Sissinghurst und Stourhead. Ich bin nicht unbedingt beeindruckt von der Grösse von Gärten: auf jener Reise war mir Derek Jarmans Garten der Liebste, zum einen weil einzigartig und zum anderen weil er zeigt, was ein Mensch alleine bewegen kann. Das ermutigte mich, es anzugehn.

In dieser Grösse ist es jedem möglich - man braucht kein Vermögen, 30 Gärtner und jemanden, der für die Logistik verantwortlich ist. Mir sind Gärten wie Chatsworth trotzdem sympathisch, weil über Generationen unter den Besitzern Menschen waren, die mit offenbarer Freude daran immer weiter gestaltet haben obwohl dieses Format viele Mitarbeiter und enorme Investitionen erfordert - der Garten kann seinen Unterhalt nie erwirtschaften. Das können meine beiden allerdings auch nicht.

Die Gärten meiner Vorfahren ernährten sie immerhin weitgehend, der Garten meiner Mutter tut es bis heute. Wie bei der Kunst weiss ich auch hier nicht, wie ich es schaffe, mit meinen Formen und Anliegen das Geld zu erwirtschaften, um meine Gestaltungen zu unterhalten - auf Dauer. Ich bin kein Gemüse(an)bauer. Sträusse werden gern genommen - aber nicht gekauft. Im Ruhestand werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht genug Geld haben, wie bislang immer nur zu zu schiessen.

Heute wünschte sich eine Freundin einen Pfad in einem Garten, wo man in Ruhe gehen und denken kann. Abgesehen von dem hickeligen Pfädchen, was ich in Elsheim aus alten Backsteinen in den Garten gelegt habe, hatte ich erstmal nichts zu bieten - aber das Anliegen konnte ich gut nachvollziehen. Wenn ich im Gartenpavillon in Zazen sitze, benutze ich die Wege zum Kinhin. Gelegentliche Mitmeditierende erfreuen sich auch daran.

Aber dies ist kein Zendo. Es gibt keine Sesshins, bei denen Menschen beim Samu den Garten pflegen. Ich alleine richte jätend immer weniger aus. In diesen Sommerferien habe ich in den ersten Wochen den Elsheimer Garten aufgeräumt, dann den Burgener. Zurück in Elsheim, könnte ich jetzt gerade wieder anfangen. Ich würde beide Plätze gerne teilen, aber wie? und mit wem?

P.S.: Die Gewächshäuser in Chatsworth - die Heizung war nur machbar für Eigentümer, die auch Kohleminen besaßen - wurden von Paxton entwickelt, der aufgrund dieser Erfahrung anschliessend den Auftrag für den Kristallpalast bekam und die grossen Bäume im Hyde Park ins Gebäude aufnahm und überdachte. In meinem Archiv gibt es Fotos von 2004 aus Sydenham - wo der Kristallpalast nach der Weltausstellung wieder aufgebaut wurde und später abbrannte. Ich wollte damals einfach wissen, wie das jetzt aussieht.

2.P.S.: Die "einsame" Frau im Foto "Gehen" fand ich am unteren Eingang des Bergparks in Kassel.

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Ute Thiel
Foto, 25.7.17
Gehen.

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Ute Thiel
Foto, 24.7.17
regen.

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Ute Thiel
Foto, 23.7.17
sonntagmorgenjob.

Der Tag wird bestimmt durch den Hund - der mein Dorf an der Mosel innig liebt und mich an alle Stellen zerrt, an denen er sonst mit seinem Chef geht. Ich merke, wie schlecht meine Kondition ist und übernehme mich. Habe heute circa 7 Kilometer mit dem Hund gemacht, der sich ziemlich sehr wohlfühlt, bei der Hitze vor allem im Bach. Der dörfliche Rhythmus mit regelmässigen Mahlzeiten, Mittagsschlaf und Besprechungen mit meiner Mutter, was wie wann im Garten gemacht wird, bringt mich runter von allen Fragen. Brennesseln gejätet, Spalierpfirsich geschnitten.

Die tote Blindschleiche auf dem Weg, die sehr lebendigen Eidechsen in den Weinbergsmauern, die Mistkäfer beim Spaziergang, die Libelle in meinem und das kolibriähnliche Insekt in Mutters Garten sind die nicht festgehaltenen Bilder des Tages. Die Gespräche mit den Nachbarn erden, lande im Jetzt. Hier ein letztes (?) Bild aus meinem Kasseler Fundus.

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Ute Thiel
Foto, 22.7.17
oh!

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Ute Thiel
Foto, 21.7.17
best of miriam cahn.

Viele der letztlich wenigen Arbeiten, die ich in Kassel gesehen habe, sind von hoher Qualität und zeigen die Auseinandersetzung mit Konflikten, die uns nicht allen geläufig sind, weil sie in der Masse der Informationen, die uns permanent umgeben untergehen oder untergegangen sind. Meine Frage von vorgestern, wann etwas wichtig wird - für jemand anderen, der es nicht erlebt, gefühlt, erlitten, gesehn usw hat, treibt mich weiter um. Ich schätze einerseits den Mut der documenta-Crew, bislang nicht ganz so Wichtiges sichtbar zu machen.

Andererseits knurpse ich seit Tagen an der Frage, wie wichtig man sich nehmen kann / darf / soll. In zwei Gesprächen heute teilte ich mein noch unklares Unbehagen mit Menschen, die sich diese Frage auch stellten - auch hinsichtlich dem Punkt, wie man Menschen, die sich - nach unserem Empfinden - zu wichtig nehmen, das klar machen kann, ohne zu kränken. Eine grundlegende Frage rund um "Sich behaupten", eine grundlegende Frage rund um die Basis von Konflikten und der Art, wie sie ausgetragen werden. Rund um Respekt.

Die Arbeit von Gülsün Karamustafa ist - wenn ich es recht verstanden habe - eine Arbeit, die Respekt erweist. Abgesehen davon, dass ich den erklärenden Text noch einmal durchgehen will, sind die Details ausserdem einfach: schön. Schönheit und Stille sind meine (Heil)mittel in anstrengendem Getriebe - auch im Getriebe der documenta.

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Ute Thiel
Foto, 20.7.17
schönes detail bei gülsün karamustafa: sonnengitter.

Eine der Arbeiten, die mich angerührt haben in Kassel ist die hier im Aussschnitt abgebildete. Der, der rechts unten ein wenig rausfällt (was den Gesichtsausdruck angeht) ist Josef Beuys. Nachdem ich mehrere Kommentare gehört und gelesen habe, die die Arbeit kritisch sehen, muß ich bekennen, daß es eine Arbeit ist, die mich berührt.

Ich bin nicht der Meinung, daß Piotr Uklanski hier Josef Beuys Unrecht tut. Um diese Position einzunehmen, müsste ich mehr wissen über Josef Beuys und seine Rolle. Wie bei allen anderen späteren Grössen in Kultur und Politik seiner Generation gibt es eine Kindheit und Jugend in der Nazizeit, die man - jenseits des Werkes - als Prüfstein für die Integrität des Menschen nehmen kann. Diese Recherche könnte man theoretisch ausdehnen auf alle Menschen dieser Generation, auch die, die nicht später durch herausragende Leistungen heraus- und damit auffielen und dann auf ihr Verhalten in ihrer Jugend hin kritisch genauer betrachtet wurden.

Man muß aber davon ausgehen, daß alle Menschen, die diese Zeit scheinbar unbeschadet überstanden, sich einen Teil der damals üblichen Verhaltensweisen zu eigen gemacht haben. Ich glaube, wir sollten eher daran arbeiten, wie Menschen, die - willig oder unwillig - ihre Kindheit und Jugend unter diesen Umständen verbracht haben, mit dem Leben versöhnt werden können. Mit dem, was sie getan und / oder erlitten haben. Versöhnt werden, bevor sie sterben.

Die Arbeit wurde mehrfach als plakativ bezeichnet. "Plakativ" ist kein wertmindernder Begriff für mich. Dafür schätze ich gute Plakate und ihre Wirkung zu sehr: Durchs Auge ins Herz. Das Hirn? Kommt nach, wenn man sich seiner Instrumente Herz und Hirn bewusst ist und Denken und Fühlen wahrnehmen kann.

Zurück zum Bild: Es zeigt die Gesichter von Menschen, die im dritten Reich etwas mit den damaligen Machthabern zu tun hatten. Was genau? Diese Information kann ein Porträt und auch die darauf abgebildeten Abzeichen (die wahrscheinlich Kennern und älteren Menschen etwas sagen, mir und dem jüngeren Publikums wahrscheinlich eher nicht) nicht leisten.

Leisten kann es, was gute Bilder leisten können: ein Köder sein, der uns "auf den ersten Blick" an den Haken nimmt. Und das tut das Bild - bei mir jedenfalls. Ich erinnere mich daran, was ich als Erstes gedacht habe, als ich es sah. Das weiß ich von keiner anderen Arbeit bei dieser documenta.

Die Süddeutsche nennt bei den gelungenen Arbeiten die Arbeit "forensic architecture", die Rekonstruktion und Beweisführung zu einem rechtsradikalen Verbrechen der Jetztzeit ist. Ich stimme dem hinsichtlich der Qualität der Arbeit zu, obwohl ich die Arbeit noch nicht gesehen habe. Aus der Beschreibung ist die Qualität der Arbeit absolut nachvollziehbar: Man muss die Arbeit nicht gesehen haben, um das einzusehen.

Allerdings läuft unsere Wahrnehmung zu 80% übers Sehen. Und das Wort "plakativ" - mittlerweile meist abwertend gebraucht - meint zunächst eine unter Andern von Toulouse-Lautrec entwickelte Gestaltungsform, die uns übers Auge sofort berührt. Weil sie komplexe Dinge enorm vereinfacht und so auf den Punkt bringt. Wie Piotr Uklanskis Arbeit.

Und nein, man muß nicht aufhören zu denken wenn man von einem Bild plakativ erwischt wird. Wenn man sich drüber klar ist, daß und warum es einen berührt und an dieser Stelle weiter forscht, kann es / man in die Tiefe gehn. Auch deshalb hätte ich es besser gefunden, wenn die hier genannten Arbeiten in einem räumlichen Zusammenhang präsentiert worden wären: Um vertiefen zu können, braucht es Platz, zum Weiterlesen und -forschen und zum in Ruhe miteinander reden (was ich an der Stelle mit meiner Begleitung nicht konnte in dem Rummel der Ausstellung, dafür war kein Platz).

Ich wünsche mir ruhige Plätze (ohne Verzehrpflicht) auf der documenta 15, im Jahr 2022. Gleich neben den Themen, die dann - leider wahrscheinlich - immer noch aktuell sind.

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Ute Thiel
Foto, 19.7.17
gute arbeit mit beuys.

Liebes Publikum, ich verdaue immer noch die zu kurze Zeit in Kassel, geniesse dabei aber wie gehabt den Schatten des Ahorn in der Hitze Rheinhessens. Heute kam das Kunstforum, so daß ich nun die Kasseler Erfahrungen durch Lesen vertiefen kann. Aber am meisten Freude machen mir immer noch die in Kassel gesammelten Bilder, so unterschiedlich sie sind.

Bei einigen ging es mir um das Kunstwerk an sich, bei einigen fand ich die Zusammenstellung gelungen, bei anderen (wie dem heutigen) ging es mir um die Lösung eines Präsentationsproblems. Beim Aufnehmen merkte ich aber: Das ist ein Bild - und eine Skulptur und eine Zeichnung - für sich. Und das Foto ist eine Zeichnung einer Skulptur.

Aber würde man es verstehen, wenn ich es als Foto ausgedruckt ausstellen würde? Ist es notwenig, daß jemand versteht, was ich in Bildern "sage" oder ist es eigentlich wurscht?
Hintergrund ist, daß ich damit hadere, was wirklich wichtig ist. Werden Dinge / Bilder / Inhalte / Menschen / etc. wichtig, weil jemand, der sich selbst wichtig genug nimmt, dazu steht?

Andererseits gab es in der Humboldt-Biografie, die ich gerade lese ein Zitat von einem Einheimischen, den Humboldt auf Reisen traf und der wies darauf hin, dass seine - für den Besucher exotische Kunst - dennoch Kunst sei, weil mit Liebe gemacht und schön. Und diese beiden Grössen - Liebe und Schönheit - tja. Keine weiteren Fragen.

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Ute Thiel
Foto, 18.7.17
skulptur und zeichnung.

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Ute Thiel
Foto, 17.7.17
schönes bündel.

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Ute Thiel
Foto, 16.7.17
Farbe in Kassel.

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Ute Thiel
Foto, 15.7.17
deutschland.

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Foto, 14.7.17
frankreich, frontal.

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Foto, 13.7.17
griechenland.

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Foto, 12.7.17
Malerei, Kassel.

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Ute Thiel
Foto, 11.7.17
Betonhund mit Schüssel mit Olive.

Attention! Die Documenta in Athen endet am 16.7.2017! Wer kann, sollte noch hin. Ich habe leider andere Verpflichtungen. Bin aber sehr froh, diese 100 Tage parallel zur Documenta in Athen gearbeitet und meine Wirklichkeit in die Welt gestellt zu haben. Die regelmässigen Feed-backs klären alte - und neue - Freundschaften und Verbindungen. Menschen und Orte, mit denen man schon einmal (gut) zusammen gearbeitet hat, zeigen sich im feed-back auf meine aktuelle Arbeit in neuem Licht. Vieles, was mühsam war, wird leicht. Es gibt zwar immer noch eine Schülerin, die ihren Projektgeldbeitrag nicht bezahlt hat, aber was solls. Am Donnerstag erinnere ich sie halt noch mal dran. Vielleicht klappt es dann (endlich). Und ansonsten sende ich - mit grossem Vergnügen - weiter bis zum Ende der Documenta in Kassel im September. Wer nicht mehr will, sagt bitte: Stop! Alle anderen: Ja, bitte! Bleibt dabei!

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Ute Thiel
Foto, 10.7.17
Schach für Anfänger.

Nachdem ich die erste Woche der Ferien fast nur geschlafen habe - überwiegend im Schatten des Ahorns in der prallen Sonne Rheinhessens - und in den Pausen das "Paradies" ein bißchen aufgeräumt habe - freue ich mich auf die nächste Woche: ich fahre dann doch zur Documenta! Im Elsheimer Garten wachsen derweil Nachbars Trauben so doll über die Mauer in unsern Kirschbaum, daß es wohl für alle reicht. Nach den geschenkten Johannisbeeren vom Donnerstag gab es am Samstag mousse au chocolat als Mitbringsel von einem Freund und heute musste ich aus dienstlichen Gründen gleich zwei Filme ansehen. Ich bin fast erholt. Alive and kicking. An der Mosel sagt man: Bleib gesund und munter! Ihr auch!

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Ute Thiel
Foto, 9.7.17
Traube im Kirschbaum.

Warum so viele Disteln? Die Mehrheit der Schmetterlinge war dafür. Im letzten Jahr gab es fünf Sorten Disteln im Garten. In diesem sind es, soweit ich sehe, nur drei. Im Moment hat es dafür erstaunlich viele, verschiedene und grosse Schmetterlinge, wahrscheinlich auch das Ergebnis der Angebotsvielfalt an Pflanzen im letzten Jahr. Neben den zahlreichen weissen Schmetterlingen (wo ich mittlerweile nie sicher bin ob es nicht Buchszünsler sind...) gibt es Zitronenfalter, zumindest einen Bläuling, viele kleine Füchse und Tagpfauenaugen.

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Ute Thiel
Foto, 8.7.17
Kleine Distel auf dem Weg.

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Ute Thiel
Foto, 7.7.17
Sitz unterm Blätterdach.

Liebes Publikum, gestern bemerkte ein Freund aufgrund der sehr unterschiedlichen Foto-Mailzeiten, daß ich wohl nachts zu viel arbeite. Stimmt. Aber das hängt damit zusammen, daß ich oft nicht schlafen kann und dann einfach die Arbeit wegschaffe, die ich am Tag eh nicht packen würde. Sicher auf Dauer ungesund, aber was soll ich machen. Mit meinem fixen Einkommen als Lehrerin kann ich mir nicht auch noch eine Sekretärin leisten. Glücklicherweise gibt es verschiedene Menschen, die (gegen Bezahlung, versteht sich) putzen, von mir markierte Aste von den Bäumen sägen, den für den Kompost zu groben Grünschnitt wegschaffen, Wände verputzen und streichen und und und. Früher habe ich das alles selbst gemacht, aber mittlerweile geht das aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr.

An meinen Garten-, Haus- und Kunstprojekten bleibt zwar noch viel für mich zu tun, aber ich werde wohl noch mehr delegieren müssen, wenn ich - als Quelle der Projekte - lang genug leben möchte, um die Umsetzung noch zu erleben. Die Frage gestern abend - und die Schmerzen heute - haben mir das wieder einmal ins Bewusstsein gerufen. Ich kann Sachen machen, die ausser mir niemand kann (nicht daß sie so grandios wären) aber es sind halt meine Sachen, meine Ideen, meine Projekte. Auf die ich mich - endlich - konzentrieren muß. Über jedwede Unterstützung freue ich mich - gestern Abend waren es eine aufmerksame Frage und zwei Schälchen Johannisbeeren. Dank an den "Lieferservice"! Und an den Koch!

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Ute Thiel
Foto, 6.7.17
Schatten.

Bodhicitta is the root and it produces the medicinal herb and medicinal leaves and flowers that heals sentient beings. The quality of our practice can be judged by whether Bodhicitta is actually permeating it. Not only practice but your life . . . In general, when we start practicing we start for ourselves. Our lives are crazy, we need to meditate, so we start meditating, or we want to deepen our life, we want to improve our life. And we see lots of this in mindfulness now. Mindfulness for business, ‘you’ll be a better worker if you meditate, where we can make more money.’ That’s not really Bodhicitta. But what happens to us hopefully as we practice and we begin to have insight into emptiness, we have this spontaneous feeling of interconnectedness . . . to be connected, to feel connected, to notice the suffering of others, and want to do something about it.

                             Lama Tsultrim Allione

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Ute Thiel
Foto, 5.7.17
Pfirsich.

Liebes Publikum, ich habe heute (wie selten zuvor) die Ferien genossen, den Garten aufgeräumt, die Zeitungsstapel sortiert und immer wenn ich platt war eine Runde in der Relaxliege eingelegt. Stetes Schaffen aber ohne Zeitdruck. Nicht an drei Orten gleichzeitig gefordert sein, sondern nur an einem: meinem. Endlich die uralten Blumensträusse entsorgt aber vorher fotografiert. Der Schwarzkümmel (oder Jungfer im Grünen) erinnerte mich an das wunderbare römische Diaretglas im Trierer Museum. Schwarzkümmel war auch das Getränk meiner Wahl heute gegen Beschwerden nach zu viel Kaffee mit Zucker. Stattdessen gab es Pfirsiche und Aprikosen, in der Sonne. Es ist Sommer.

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Ute Thiel
Foto, 4.7.17
Schwarzkümmel.

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Foto, 3.7.17
Ferien.

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Ute Thiel
Foto, 2.7.17
Kürbis, noch später.

Wem Zeit wie Ewigkeit und Ewigkeit wie Zeit, der ist befreit von allem Streit.
                        Angelus Silesius

Das ist seit 40 Jahren eines meiner Lieblingszitate. Nun habe ich endlich eine Reclam-Ausgabe des "Cherubinischen Wandersmann" erstanden - und bin enttäuscht, weil es kaum eine Zeile gibt, die nicht "Gott" zum Hauptthema hat. Spät (aber immerhin) realisiere ich, dass ich Angelus Silesius (wie vieles andere auch) bislang wohl völlig falsch verstanden habe.

Noch ein Zitat: "Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir: Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für." Als Protestantin, Agnostikerin und Buddhistin lese ich das anders, als Silesius (ein zum Katholizismus konvertierter Protestant der Barockzeit) es vermutlich gemeint hat. Hm.

Trotzdem, auch wenn es (vermutlich) ein Mißverständnis war, hat es mir geholfen, das zu finden, was es für mich bedeutet. Um damit herauszufinden, was für mich Bedeutung hat. Also, wer immer mir beim Puzzlen rund um den Sinn des Lebens hilft: Willkommen! Irgendwas bringt es immer. Hauptsache, man praktiziert. Deshalb noch eins zum Schluss:

Mensch werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

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Ute Thiel
Foto, 1.7.17
Distel.

Das Restaurant des amoureux ist eine nun zwanzig Jahre alte Institution, gegründet von einem Mann, der gerne kocht und einer Frau, die gerne organisiert. In den ersten Jahren unserer Ehe haben wir oft andere (Liebes)paare eingeladen und sie bekocht - meistens gab es eine Speisekarte mit Zeichnungen von mir.

Aufgrund beruflicher Notwendigkeiten und kräftezehrender Bautätigkeit ist das in den letzten 10 Jahren in den Hintergrund getreten. Für viele alte Freunde von der anderen Rheinseite scheint die Reise ins Rheinhessische "nur zum Essen" auch einfach zu weit. Man wohnt halt nicht mehr um die Ecke. Das Essen ist aber immer noch mehr als ordentlich und vielleicht kommen ja jetzt einfach mal ein paar Rheinhessen zum Essen?

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Ute Thiel
Foto, 30.6.17
Le restaurant aux amoureux.

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Ute Thiel
Foto, 29.6.17
Umkehr.

Liebes Publikum, ich weiß nicht, ob die Fülle meines Lebens in den Bildern sichtbar wird. Manchmal ist das Leben ja einfach nur voll, aber gerade ist es schön, die Fülle zu geniessen trotz aller Widrigkeiten und Anstrengungen. Morgens betoniere ich mit SchülerInnen im Rahmen der Projektwoche, davor bespreche ich mit dem Handwerker den Verputz der Wand in der Scheune, noch davor habe ich ein Foto verschickt. Bevor ich zur Schule fahre, giesse ich Pflanzen in Garten und Hof.

Nach dem Betonieren habe ich gestern eilig Trauerkleidung angelegt und bin hundert Kilometer gefahren, am Ende wütend hinter einem Tanklaster her, den ich wegen Kurven nicht überholen konnte. Kam zu spät für den Gottesdienst. Direkt am Friedhof zu parken und zu warten mit all den anderen Wartenden passte dann aber. Abschied zu nehmen mit Erde und Kaffee stimmte auch.
Trotzdem fällt mir immer noch schwer zu verstehen und ertragen wenn jemand der Zeit meines Lebens da war weg ist. In meinem Alter hat man mehr Lebenszeit mit Menschen verbracht (und ist von ihnen geprägt worden) die nun sterben.

Der Wandel dahin, dass man nun ein Mensch ist, mit dem jüngere Menschen Leben verbracht haben, Menschen, die man selbst eventuell geprägt hat, indem man immer da war seit sie geboren wurden, ist ein Rollenwechsel, den ich mit Mitte 50 immer noch nicht ganz begriffen habe.
Obwohl ich mir als Lehrerin bewusst bin, wem meiner SuS ich als role model diene, ist es doch etwas anderes, diese Beziehung mit Nachbars-, Freundes- und Kindern aus der eigenen Familie zu erleben. Ich habe bislang aber nie so lange an einem Ort gelebt, dass ich in 50 Jahren für jemanden "immer da" gewesen sein könnte.

Das Bild entstand auf der Rückfahrt.

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Ute Thiel
Foto, 28.6.17
Die allerschönsten Zwei.

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Foto, 27.6.17
farbe.

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Foto, 26.6.17
Verbene.

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Ute Thiel
Foto, 25.6.17
Kreta.

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Ute Thiel
Foto, 24.6.17
Zu Tisch mit M.C.Escher.

Liebes Publikum, vorgestern starb meine Nachbarin, die ich vor ein paar Wochen im Hospiz besuchte. Der Strauss, den ich damals mitbrachte, erinnerte mich an den Blumengarten, den sie unterhielt, als sie so alt war wie ich jetzt. Alles was ich über Blumen weiss fand seine Grundlage in dem Garten, den sie neben ihrem Haus hegte. Als Kind entstand meine Liebe zu Blumen einfach indem ich täglich an ihrem wunderbaren Blumengarten vorbei ging. Das war ein grosses Glück.

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Ute Thiel
Foto, 23.6.17
Strauss für Ella.

Most of what I know about flowers i learned by passing her garden every day when i was a child.

Le plupart de ce que je connais des fleurs j´appris en passant son jardin comme enfant tous les jours.

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Ute Thiel
Foto, 22.6.17
wiesbadener wallung.

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Ute Thiel
Foto, 21.6.17
Luisenplatz.

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Ute Thiel
Foto, 20.6.17
schattenlicht.

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Ute Thiel
Foto, 19.6.17
andere perspektive.

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Ute Thiel
Foto, 18.6.17
Wildes Tier in der Mensa.

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Ute Thiel
Foto, 17.6.17
je roule.

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Ute Thiel
Foto, 16.6.17
Blume.

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Ute Thiel
Foto, 15.6.17
Für Cordula und Katja.

Euch und Ihnen mag das heutige Bild traurig vorkommen. Ich liebe diesen alten Betonkachelfussboden auf meinem Speicher und werde mich von ihm - in dieser Form - trennen.

Die Dachböden in Bauernhäusern wie diesem dienten in früheren Zeiten dazu, "Frucht" , d.h. Getreide zu lagern. Man breitete die Körner flach auf dem Fussboden aus, so daß sie besser trocknen konnten als in den Säcken, in denen man sie transportierte. Das Getreide bedeckte den ganzen Fussboden, wenn ich mich recht erinnere circa 20 Zentimeter hoch.

Da man verschiedene Getreidesorten anbaute (z.B. Gersten, Weizen, Roggen) und sie nicht vermischen wollte, trennte man die Fläche in verschiedene Abteilungen indem man Bretter der Länge nach hochkant montierte.

Beim abgebildeten Dachboden kann man nur noch die Rillen im Boden sehen, in denen die Bretter steckten. Man war in diesem Fall wohlhabend genug, den Boden mit "Plättchen" auszulegen, so dass das Getreide nicht verschmutzte. Die (Beton)fliesen sind heute abgenutzt, schmutzig und teils zerbrochen, aber an vielen Stellen gut erhalten. Auf dem Speicher wurde schon lange kein Getreide mehr gelagert. Die Trennbretter wurden abgebaut und verbrannt. Nur die Rillen, in denen sie steckten, erinnern noch an die ehemalige Funktion.

in meiner Jugend baute meine Familie noch Getreide an und lagerte es auch so. Lange konnte ich die Erinnerung an diese vergangenen Dinge, die dazugehörigen Räume und Hinterlassenschaften der ursprünglichen Funktionen nicht loslassen. Lange wollte ich so viel wie möglich - am liebsten alles - bewahren.

Jetzt steht die Sanierung des Hauses an. In Gesprächen mit dem Architekten und den Gewerke anbietenden Handwerkern (die oft die gleichen Erfahrungen und Erinnerungen haben wie ich) wurde mir klar: ich werde Dinge nicht nur ändern müssen, ich werde sie ändern dürfen. Es ist - trotz seiner Vergangenheit - jetzt mein Haus und ich bin Bildhauerin, Zeichnerin, Fotografin. Das Haus diente bislang als Lager für meine Arbeiten. Es wird nun zum Schaulager, zum Platz für Gäste und Kollegen und zum Alterswohnsitz für mich und meine Familie.

Dieser Boden wird - in dieser Form - verschwinden. Das Material wird - so nutzbar - in anderer Funktion an anderer Stelle wieder eingesetzt. Die Erinnerung an verschwundene bäuerliche Kulturtechniken bleibt trotzdem erhalten: in meinen Bildern und Texten und in wiederverwendetem Material. Material in Funktion, dessen Geschichte so lebendig bleibt.

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Ute Thiel
Foto, 14.6.17
broken, scharf.

Abrupter Themenwechsel? Nein, die Fotos sind am gleichen Ort entstanden wie die Bilder von gestern und vorgestern. Diese beiden Malas kamen mit mir zurück "aus der Welt" in mein Dorf an der Mosel. Die einfache Dunkle erstand ich im Herbst 2011 während meiner Reise durch die Zen-Klöster im Südwesten von China. Dort ist Zen - als Chan - entstanden.

Danke! an alle Freunde & Verwandten, die mir zum 50gsten Geburtstag Geld schenkten, um diese Reise zu ermöglichen. Ich habe dort verstanden, dass Chan mir näher ist als Zen.

2011 / 12 war auch mein Sabbatjahr bei Genno Roshi in Montreuil und in einem Vorort von Montreuil (namens Paris) fand ich die andere Mala in einem reich gefüllten Trödelladen im Marais. Wie das so ist in Trödelläden und auf Flohmärkten: eine unglaubliche Menge an Dingen mit Vorleben, Sammlungen von Geschichte und Geschichten, fantasieanregend. Wenn man eine halbe Stunde lang geguckt hat, bleibt mir meist ein Ding, was zum eigenen Leben passt. In dem Fall war das diese rote (tibetische) Mala aus den Kernen einer Frucht.

Beide Ketten sind so lang, dass sie mir bis zum Bauchnabel reichen - sehr unpraktisch. Weswegen sie im Moment auf einer meiner Plastiken aus der "Busenwunder"-Phase ruhen.

Die beiden so gegensätzlichen Malas erinnern mich auch an meine erste Begegnung mit Genno Roshi, 2004 in Vimoutiers. Dort saßen wir in einem grossen vielfarbig bunten tibetischen Meditationsraum, in dem Rot, Gelb, Türkis und Gold um die Wette strahlten und einen prachtvollen Rahmen gaben für die zurückhaltend dunkel gekleideten Zen-Schüler.

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Ute Thiel
Foto, 13.6.17
Vajrajana & Chan

Liebes Publikum, die beiden Bilder "Moselmorgen" und "Moselabend" zeigen einen Ausblick, den ich 18 Jahre lang täglich sah: es ist der Ausblick aus meinem Kinderzimmer. Vorlieben für Caspar David Friedrich & Philipp Otto Runge entstanden sicher auf diese Weise: Die beiden Maler hielten in ihren Bildern etwas fest, was ich als Kind unglaublich schön fand, aber nicht in Bilder fassen konnte.

Ich finde es heute noch sehr schwer, das angemessen festzuhalten: Wer die Gleichzeitigkeit von schwarzen Silhouetten und Himmelsfarben nicht gesehen hat, mag denken "wie kitschig". Doch, es ist so, in Wirklichkeit, ziemlich oft. Mit 40 Jahren Abstand wage ich, es zu fotografieren und zu zeigen. Malerei wäre (für mich) unmöglich nach Caspar und Philipp.

Zu diesem Ausblick gibt es ein altes Gedicht von 1972 (?), was die Ambivalenz dieser Perspektive spiegelt. Der Berg war im Weg, die Vögel flogen drüber, waren frei, ich aber nicht. Mittelgebirge können den Blick aufhalten, aber letztendlich sind es nicht die Berge, die einengen. Nach 40 Jahren "in der Welt" weiss ich einigermaßen, was hinter diesen Hügeln liegt und dass ich jederzeit einmal um die Erde kann. Um hier wieder anzukommen. "Zuhause" ist etwas anderes als "Heimat". Es ist der Raum in mir, der überall mit hingeht, auch hierhin.

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Ute Thiel
Foto, 12.6.17
Moselabend.

Den Glauben, dass wir dauerhafte Freude finden und Schmerz vermeiden können, nennt der Buddhismus das Samsara, jenen unentrinnbaren Kreislauf, der sich unablässig dreht und dreht und uns grosses Leiden beschert.                                                                              Pema Chödrön

Mit allem Respekt für die - von mir hoch geschätzte - buddhistische Weisheit, der ich viel verdanke: Samsara ist - auch - ein Parfum von Guerlain. Wenn man das Leben lebt mit allem, was uns begegnet an Freuden und Leiden, jeden Moment, mit Enthusiasmus, Wut, Traurigkeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu allem: das Samsara duftet (nicht nur bei Guerlain).

Nichtsdestotrotz bevorzuge ich Thé rouge von Bulgari oder Vanille von Produit soleil oder Geissblatt von der Hecke oder Eau dynamisante von Clarins oder Zeste de vigne von Caudalie oder Mandorla di Sicilia von Aqua di Parma oder Eau des Beaux von L´occitane oder Agrume von Weleda und und und......Samsara? Ja!

Postskriptum: Nein, ich finanziere meinen Unterhalt nicht über Werbe-Blogging, sondern als Kunstlehrerin. Das gibt die Freiheit vom Finanziellen unabhängig zu teilen, was mir gefällt. Was dem Publikum gefällt, sollte es selbst heraus finden.

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Ute Thiel
Foto, 11.6.17
moselmorgen.

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Ute Thiel
Foto, 10.6.17
morgen.

Liebes Publikum. dieses Foto ist drei Frauen gewidmet, die mir lieb sind. Eine davon ist gerade gestorben, eine ist im Krankenhaus, die dritte in Pflege. Krankheit, Alter und Tod berühren mich. Greed, anger and ignorance treten in den Hintergrund, wenn sichtbar wird, was alleine und wirklich zählt: Unser einziges "remède" ist die Liebe.

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Ute Thiel
Foto, 9.6.17
Lotti Huber.

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Ute Thiel
Foto, 8.6.17
Abendsonne.

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Ute Thiel
Foto, 7.6.17
Kürbis, später

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Ute Thiel
Foto, 6.6.17
Fin du saison.

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Ute Thiel
Foto, 5.6.17
Bauernjasmin.

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Ute Thiel
Foto, 4.6.17
Two arrows.

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Ute Thiel
Foto, 3.6.17
Weinbergschnecken.

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Ute Thiel
Foto, 2.6.17
Meine Mutter.

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Ute Thiel
Foto, 1.6.17
vaters alte katze.

Nein, ich will hier keine Katzenfotoseite eröffnen. Die Graue und die Getigerte waren die Katzen meines Vaters, der Ende März 2010 starb. Seitdem versorgte meine Mutter die beiden Katzen. Die Graue verschwand im Herbst 2016, die Getigerte starb letzte Woche. Als ich sie fand, lag sie so wie auf dem Foto in der Schreinerei. Sie hatte aber kein Kinn mehr, das bestand nur noch aus Maden. Ich verweise auf Michel de Montaigne, der Kluges zum Tod zu sagen hatte. Leben muss jeder von uns damit alleine. Aber da der Tod uns alle betrifft, sollten wir vielleicht öfter zusammen darüber reden.

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Ute Thiel
Foto, 31.5.17
aus gegebenem Anlass.

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Ute Thiel
Foto, 30.5.17
voilá!

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Ute Thiel
Foto, 29.5.17
nicht römischer weg.

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Ute Thiel
Foto, 28.5.17
langer tag auf dem land.

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Ute Thiel
Foto, 27.5.17
Salat.

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Ute Thiel
Foto, 26.5.17
Grosse Gelbe.

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Ute Thiel
Foto, 25.5.17
Tilleul de Montreuil.

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Ute Thiel
Foto, 24.5.17
für philip otto und caspar david.

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Ute Thiel
Foto, 23.5.17
Kürbis.

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Ute Thiel
Foto, 22.5.17
Sibirische Iris.

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Ute Thiel
Foto, 21.5.17
Pfingstrose, später.

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Ute Thiel
Foto, 20.5.17
Himalaya.

An diesem Wochenende wird mit einem Sesshin ein neuer Zendo in der Nähe von Hamburg eingeweiht. Gerne hätte ich an dieser Eröffnung teilgenommen, bin aber aus beruflichen Gründen verhindert. Ich freue mich sehr, dass die Zen-Lehrerin meine Zeichnungen als Geschenk zur Einweihung annimmt und "Mudra", "Yoga" und "Älteste Göttin" eine neue Heimat finden.

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Ute Thiel
Foto, 19.5.17
Jetzt schärfer.

Die Welt ist.....eine in dem lebendigen Augenblick der Wahrnehmung konkretisierte Wirklichkeit.


                             Victor Jeronim Stoichijá, 1980

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Ute Thiel
Foto, 18.5.17
yoga.

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Ute Thiel
Foto, 17.5.17
mudra.

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Ute Thiel
Foto, 16.5.17
Totem.

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Ute Thiel
Foto, 15.5.17
blau&rot und meine füsse.

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Ute Thiel
Foto, 14.5.17
rot.

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Ute Thiel
Foto, 13.5.17
dana.

Ja, jetzt zu Besuch kommen! Das Konzert der Iris hat begonnen, es läuft noch circa vierzehn Tage und ist dann für 2017: vorbei.

Wer einen Moment dieser "Musik" sehen riechen möchte ist willkommen. Wegen Elsheimer Kerb ist an diesem Wochenende der Parkplatz am Rondell mit Fahrgeschäften belegt. Ich empfehle den öffentlichen Nahverkehr (Bushaltestellen fussläufig) oder das Fahrrad. Wer von der anderen Rheinseite kommt: schöne Fähren gibts bei Buden-und Ingelheim.

Am Kerbemontag (15.5.) macht die Gartenstrasse ab 16.00 "blau", das heisst: wir stellen Tische und Bänke, ihr bringt Essen und Getränke. Und was ihr an Geschirr braucht. Bis dahin!

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Ute Thiel
Foto, 12.5.17
Duftende aus dem Kloster Lorsch.

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Ute Thiel
Foto, 11.5.17
Morgen.

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Ute Thiel
Foto, 10.5.17
stillleben.

Es ist nichts Intelligentes daran, nicht glücklich zu sein.


                             Arnaud Desjardins

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Ute Thiel
Foto, 9.5.17
Taube.

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Ute Thiel
Foto, 8.5.17
rainy day.

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Ute Thiel
Foto, 7.5.17
unscharf.

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Ute Thiel
Foto, 6.5.17
geissblattlaube.

Das Glück ist das Hauptziel unserer Bestrebungen, was auch immer der Name sein mag, den wir ihm geben - Erfüllung, tiefe Befriedigung, Gelassenheit, Erfolg, Weisheit, Glückseligkeit, Lebensfreude oder Innerer Frieden - , und wie auch immer wir danach suchen - durch Kreativität, Gerechtigkeit, Altruismus, enthusiastische Bemühung, Verwirklichung eines Projekts oder eines Werkes.


                              Matthieu Ricard

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Ute Thiel
Foto, 5.5.17
Glück.

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Ute Thiel
Foto, 4.5.17
Hierarchie der Kreise: Trapez, Rechteck, Quadrat.

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Ute Thiel
Foto, 3.5.17
Weinkönigin.

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Ute Thiel
Foto, 2.5.17
Saisonstart im Paradies.

"Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt.
Erfahrung ist das, was man aus dem macht, das einem zustößt"


                              Aldous Huxley

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Ute Thiel
Foto, 1.5.17
Jedem seine Jadetasse.

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Ute Thiel
Foto, 30.4.17
Lung Gompa.

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Ute Thiel
Foto, 29.4.17
Torso.

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Ute Thiel
Foto, 28.4.17
daily: practise.

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Ute Thiel
Foto, 27.4.17
vom schreibtisch aus.

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Torsten Vagt / Ute Thiel
Foto, 26.4.17
Bild.

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Ute Thiel
Foto, 25.4.17
Da leuchtet der Planet.

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Ute Thiel
Foto, 24.4.17
Zuckererbsen für Jedermann!

" Alles darf Spiel sein, voller Freude, Humor und Lebendigkeit.
Lach viel und Du spürst das Leben."


                              nach: Marshall B.Rosenberg

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Ute Thiel
Foto, 23.4.17
morning.

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Ute Thiel
Foto, 22.4.17
szeped.

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Ute Thiel
Foto, 21.4.17
brunelleschi. kolumbus und wir.

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Ute Thiel
Foto, 20.4.17
migräne.

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Ute Thiel
Foto, 19.4.17
tulpe.

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Ute Thiel
Foto, 18.4.17
heute!
beginnt das
humanistische Zeitalter.

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Ute Thiel
Foto, 17.4.17
Aufbruch.

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Ute Thiel
Foto, 16.4.17
Alte Sorte.

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Ute Thiel
Foto, 15.4.17
rätsel.

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Torsten Vagt & Ute Thiel
Foto, 14.4.17
Primelpaar, Obstwiese.

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Ute Thiel
Foto, 13.4.17
Birnbaum, alt.

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Ute Thiel
Foto, 12.4.17
keinwinddiewolkenstehenstilleralsmeingeist.

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Ute Thiel
Foto, 11.4.17
gelb.

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Ute Thiel
Foto, 10.4.17
clairobscur.

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Ute Thiel
Foto, 9.4.17
Frühstück.

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Ute Thiel
Foto, 2.4.2017
Steinau an der Strasse

Frühstart mit Fluss in den Bergen.



jetzt, 2017.


2012 organisierte Martin Wilhelm parallel zur Dokumenta XIII "100 Tage Steinbach". Ich lebte zu der Zeit in Montreuil / Paris und schickte täglich von dem Ort, an dem ich mich jeweils aufhielt, eine Fotografie an Martin, der sie in Steinbach für die Ausstellungsbesucher am Bildschirm sichtbar machte.

Bald baten mich Interessierte, die nicht die Möglichkeit hatten nach Steinbach zu fahren, auch in den Verteilerkreis meines täglichen Mailings an Martin aufgenommen zu werden. Die Gruppe der Adressaten wuchs rasch und umspannte bald den Globus. Einige Empfänger gaben mir regelmässig feed-back und liessen sich durch meine Arbeiten zu eigenen Bildern und Texten inspirieren. Der 2013 verstorbene Kollege Ernst Ludwig Martin war dabei der Aktivste.

2017 gibt es nun wieder eine Documenta. Anders als 2012 bin ich nun an meine aktuellen Standorte Elsheim & Burgen gebunden. Renovierung & Sanierung erfordern meine permanente Anwesenheit. So wie ich 2012 an Paris gebunden war und nicht nach Steinheim kommen konnte, will ich nun "bei mir" bleiben und werde von dieser viel versprechenden Documenta wohl weder Athen noch Kassel sehen. 2017 ist zudem eines der besonderen Jahre, die Documenta, Biennale in Venedig und Skulpturentage Münster auf sich vereinen. Besonders die Skulpturentage bedeuten mir viel, ich war 1997 & 2007 dort.

Tant pis! Ab heute gibt es - an jedem Tag der Documenta - von dem Ort, an dem ich gerade bin, ein Foto. Dabei bin ich weniger streng mit mir als 2012: Schon das erste Bild widerspricht der "jetzt"-Regel, ist aber (für mich) unwiderstehlich schön.

herzlich, Ute Thiel

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Ute Thiel
Foto, März 2017
apfelmala.


When difficulties come up in our lives, we can see them either as obstacles or as grist for the mill that has potential to bring us closer to awakening. Without these challenges and without recognizing our faults, we would spend our lives waiting for ideal circumstances instead of genuinely working on ourselves. In fact our “enemies,” those who bring up the most in us, are our greatest teachers, and instead of seeing them as demons we could see them as gifts.

                            Lama Tsultrim Allione

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Ute Thiel
Foto, Januar 2017
mausetod

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Ute Thiel
Foto, Februar 2017
Zwei global player.


Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit.

                                                        TdE

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Ute Thiel
Foto, Februar 2017
Alte Muster.


Güte ist gut.

             TdE

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Ute Thiel
Foto, Februar 2017
Es ist alles Gold, was glänzt.



Permanente Innovation, ewiges Innehalten.

                                                                              terre d'éveil

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Ute Thiel
Foto, Januar 2017
Malerei.



moment after moment, you should completly devote yourself to listening to your inner voice.

Shunryu Suzuki Roshi

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Ute Thiel
Foto, Januar 2017
Zeichnung.

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Ute Thiel
Foto, Januar 2017
Winterbild.

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Ute Thiel
Foto, Dezember 2016
Drei Weihnachtsbäume.

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Ute Thiel
Foto, September 2016
Neue Fenster.



Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Joachim Ringelnatz

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Ute Thiel
Foto, August 2016
Wasserschlange.

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Ute Thiel
Foto, ohne Datum
Postkarten.

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Ute Thiel
Foto, Juli 2016
Enso auf zwei Beinen.

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Ute Thiel
Foto, Juli 2016
intim.

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Ute Thiel
Foto, Juni 2016
Gruss aus der Küche.



"Man braucht natürlich nicht vorher zum Angeln zu gehen, um sein Motorrad richten
zu können. Es reicht, wenn man eine Tasse Kaffee trinkt, einmal um den Block geht
oder vielleicht auch nur für fünf Minuten die Arbeit unterbricht und still wird. Wenn man
das tut, spürt man beinahe, wie man diesem inneren Seelenfrieden entgegen wächst,
der einem alles offenbart.......Ich glaube, wenn dieser Begriff des inneren Seelenfriedens
in die technische Arbeit eingeführt und zu ihrem Zentrum gemacht wird, kann eine
Verschmelzung von klassischer und romantischer Qualität auf einer grundlegenden
Stufe in einem praktischen Arbeitszusammenhang selbst stattfinden. Ich habe gesagt,
daß man diese Verschmelzung bei einer bestimmten Sorte geübter Mechaniker und
Maschinenarbeiter buchstäblich sehen kann und daß man sie in der Arbeit sieht, die sie leisten.

Zu sagen, sie seien keine Künstler, heißt das Wesen der Kunst mißverstehen. Sie widmen
sich ihrer Arbeit mit Geduld, Sorgfalt und Aufmerksamkeit, aber das ist noch nicht alles -
sie haben eine Art von innerem Seelenfrieden, der nicht bewußt herbeigeführt wird, sondern
einer Art Harmonie mit der Arbeit entspringt, in der es kein Führen und keine Gefolgschaft
gibt. Das Material und die Gedanken des Handwerkers wandeln sich gemeinsam in einer
Folge sanfter, gleichmäßiger Veränderungen, bis sein Geist just in dem Augenblick zur
Ruhe kommt, da das Material die richtige Form hat.
Wir alle erleben solche Augenblicke, wenn wir etwas tun, was wir wirklich tun wollen.
Es ist nur, daß wir die unselige Angewohnheit angenommen haben, diese Augenblicke
von der Arbeit zu trennen. Der Mechaniker, von dem ich spreche, nimmt diese Trennung
nicht vor. Man sagt von ihm, er "interessiere" sich für das, was er macht, er nehme
"inneren Anteil" an seiner Arbeit. Was diese Anteilnahme bewirkt, ist, an der Schneide
des Bewußtseins, das Fehlen jeglichen Gefühls einer Getrenntheit von Subjekt und Objekt .
"Bei der Sache sein", "sich vertiefen", "in seiner Arbeit aufgehen" - es gibt eine ganze
Menge alltäglicher Redewendungen für das, was ich mit diesem Nichtvorhandensein
einer Subjekt-Objekt-Spaltung meine, weil eben das, was ich damit meine, der
Volksweisheit, dem gesunden Menschenverstand, dem praktischen Denken jeden
Handwerkers ganz selbstverständlich ist. Aber in der Sprache der Wissenschaft finden
sich kaum Worte für diese Aufhebung der Subjekt-Objekt-Spaltung, weil der
wissenschaftliche Geist sich selber von dieser Art der Erkenntnis ausgeschlossen hat,
indem er sich der formalen dualistischen wissenschaftlichen Betrachtungsweise verschrieb.

Zen-Buddhisten sprechen von einer Meditationsübung, die als "einfach sitzen"
bezeichnet wird und bei der das Bewußtsein nicht von dem Gedanken der Dualität
von Ich und Objekt beherrscht wird. Ich spreche hier von einer Art der Motorradwartung,
die man als "einfach richten" bezeichnen könnte und bei der das Bewußtsein nicht von
dem Gedanken der Dualität von Ich und Objekt beherrscht wird. Wenn einer nicht von
dem Gefühl des Getrenntseins vom Gegenstand seiner Arbeit beherrscht wird, dann
kann man von ihm sagen, daß er mit Liebe zur Sache an seine Arbeit geht. Liebe zur
Sache ist im Grunde genommen ein Gefühl der Identifikation mit dem, was man tut.
Wer dieses Gefühl hat, der sieht auch die andere Seite der Liebe zur Sache, die
Qualität selbst.

Pirsig, a.a.O.

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Ute Thiel
Foto, Mai 2016
Macht Kunst.



"Nebenbei sollte ich erwähnen, daß es eine Schule technischen Denkens gibt,
die die Meinung vertritt, daß ich mich an ein größeres Aggregat, von dem ich nichts
weiß, erst gar nicht heranwagen sollte. Ich müßte entweder entsprechend ausgebildet
sein oder die Sache einem Spezialisten überlassen. Das ist eine auf den eigenen
Vorteil bedachte, auf Elitedenken beruhende Einstellung, die meiner Meinung nach
verschwinden müßte".

Robert M. Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten, S.317

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Ute Thiel
Foto, Mai 2016
Nishapur.



Die 35."Ingelheimer Tagung" des BDK RLP im Frithjof-Nansen-Haus Anfang Mai präsentierte "Bildkünste zwischen dem Nahen Osten und Europa": Grosse Klasse! Die Tagung bot unter anderem Gelegenheit, die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern aus München, Berlin und Wuppertal zu diskutieren, unsere "neuen netten Nachbarn aus dem Mittelalter" am Mehrgenerationenwohnen an der Alten Polizei in Ingelheim zu besuchen sowie die Schätze des MAK Frankfurt zu entdecken. Das Foto zeigt den Katalog "Von Istanbul bis Mogulindien - Meisterwerke aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt", aufgeschlagen bei einem Teller aus Nischapur.


"Nischapur, heute Neyschabur (bzw. Neyshabour), ist eine Stadt in einem Hochgebirge in der Provinz Razavi-Chorasan im Iran. Durch sie führt die Seidenstraße. Es handelt sich um ein traditionelles Zentrum des keramischen Gewerbes und der Teppichherstellung. Der sassanidische Iran (224–651) spielte eine bedeutende Rolle bei der Vermittlung von Wissen zwischen Ost und West: An den Hochschulen des Landes (besonders in Nisibis und Nischapur) beschäftigte man sich unter anderem mit Medizin, Recht und Philosophie. Man rezipierte das griechisch-römische Wissen, umgekehrt gelangte über den Iran auch Wissen in den Westen. Auch die Missionstätigkeit der Manichäer und Nestorianer in China nahm von hier ihren Ausgang. Nischapur gilt für das Jahr 1000 mit 125.000 Einwohnern als die achtgrößte Stadt der Welt und wird dabei Persien zugerechnet. Im 11. Jahrhundert gab es in Bagdad und in Nischapur, wo auch der Theologe, Philosoph und Mystiker Al-Ghazali lehrte, die größten Universitätsbibliotheken der damaligen Zeit."

Quelle: wikipedia

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Ute Thiel
Foto, April 2016
Weimar.



Great emptiness with compassion essence.

                                             Nagarjuna

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Foto, März 2016
Bauhausboden.

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Foto, März 2016
Blume.

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Ute Thiel
Foto, Februar 2016
Enso, neue Form.

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Foto, Dezember 2015
Belginum, Nebel.

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Foto, August 2015
Belchenblume

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Foto, Juni 2015
all that beauty.

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Ute Thiel
Foto, Juni 2015
35 Jahre Abitur.


...all my life's a circle, sunrise and sundown....

                                                Harry Chapin

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Foto, Mai 2015
nach dem regen.


...il faut croire en été la nuit......

                                                Jacques Brel

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Ute Thiel
Foto, Mai 2015
Here comes the sun.


Es ist äusserste Wachsamkeit und Aufmerksamkeit, die es uns ermöglicht, unser Verhalten zu ändern.

                                                                                                        Kalu Rinpoche

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Ute Thiel
Foto, Mai 2015
Kreis, für meine 11.

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Ute Thiel
Foto, Mai 2015
Flagge zeigen.


Es ist ungewiss, wo uns der Tod erwartet; erwarten wir ihn also allenthalben!
                                                                              Michel de Montaigne

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Ute Thiel
Foto, April 2015
Letzte Bank vor Dänemark.

Wir leben in einer Welt der Wahrnehmung, die wir mit der Wirklichkeit verwechseln.
                                                                                                      Matthieu Ricard

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Ute Thiel
Foto, Januar 2015
Kompost mit Kartoffelköpfen

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Ute Thiel
Foto, Dezember 2014,
Dezemberblume.




 Alles noch zu sehen bis 7.12.14 in der galerie plan.d in Düsseldorf.

Am Tag nach der Eröffnung waren wir mir unserer Ausstellung Teil des weltweiten "Official Launch" des "Artandbreakfastday" von Midori Mitamura. Schöne Bilder von uns allen und späten Gästen beim Frühstücken in unserer Ausstellung unter: www.artandbreakfast.info!


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Ute Thiel
Enso, November 2014,
Staub, gefegt.


Foto: Klaus Harth
oben: Arbeit von Stephan Flommersfeld



Liebe FreundInnen und KundInnen, liebe BesucherInnen dieser Seite,

Ich freue mich auf die Eröffnung von "ephemer" in der Düsseldorfer Produzentengalerie plan d. am 15. November um 19 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 7. Dezember.

"Ephemer" waren umständebedingt alle Arbeiten der letzten Jahre, Fragilität und Beiläufigkeit dominierten meine Objekte. Rückblickend finde ich meine Fragen nach dem woher wohin weshalb in neuer Form. Zum Beispiel entwickelte sich das Thema "Paar" vom "grossen Boot" in Bronze hin zu einem "Paar" in Form eines Spanschächtelchens mit einem Korken, einer alten Tablette, einer Stecknadel und einem Stückchen Plastik.

Der Begriff "ephemer" war eine gute Ausgangsbasis für die beflügelnden Wir-planen-eine-Ausstellung-Samstage mit den vier KollegInnen, mit denen sich diese Ausstellung in schönem Gedanken-und-Ideen-Austausch entwickelte. Ich würde mich freuen, Sie / Dich am 15. November bei der Eröffnung begrüssen zu dürfen!

Herzlich,
Ute Thiel

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Ute Thiel, Besen, Enso.
Düsseldorf, 15.11.2014

Foto: Stephan Flommersfeld